Wissen, das an Personen hängt, ist ein Risiko
Die Wissensmanagement-Forschung unterscheidet seit Jahrzehnten zwischen explizitem und implizitem Wissen, ein Modell, das auf die japanischen Organisationsforscher Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi zurückgeht. Explizites Wissen lässt sich aufschreiben, in Handbüchern ablegen, in Datenbanken pflegen. Implizites Wissen dagegen entsteht durch Erfahrung. Es steckt im Kopf einer Person, die über Jahre gelernt hat, warum ein System auf eine bestimmte Weise konfiguriert wurde oder welcher Handgriff bei einem bestimmten Fehler hilft.
In kleinen und mittelständischen IT-Abteilungen ist dieses implizite Wissen oft an eine einzige Stelle gebunden. Kündigt diese Person, geht das Wissen in der Regel nicht vollständig verloren, aber es wird teuer und langsam, es wieder aufzubauen. Studien zum Fachkräftemangel in der IT-Branche, etwa regelmäßige Erhebungen des Digitalverbands Bitkom, zeigen seit Jahren eine deutliche Lücke zwischen offenen Stellen und verfügbaren Fachkräften. Wer auf eine Neubesetzung wartet, riskiert über Monate hinweg eine unterversorgte IT.
Ein Weg, dieses Risiko zu verringern, liegt in der Auslagerung von Betrieb und Dokumentation an einen externen Partner. Ein IT-Systemhaus aus Frankfurt beispielsweise beginnt eine Betreuung in der Regel mit einer strukturierten Bestandsaufnahme der vorhandenen Infrastruktur, häufig als eigener Analyseschritt vor Vertragsbeginn. Diese Bestandsaufnahme wird laufend aktualisiert und liegt nicht bei einer einzelnen Person im Unternehmen, sondern wird von einem Team gepflegt und bei Bedarf weitergegeben.
Strukturierte Dokumentation als Gegenmittel
Wissensmanagement in der IT bedeutet in der Praxis vor allem eines: Dokumentation, die aktuell, zugänglich und nachvollziehbar ist. Die internationale Norm ISO/IEC 27001 für Informationssicherheits-Managementsysteme verlangt von zertifizierten Unternehmen unter anderem eine dokumentierte Übersicht über Systeme, Verantwortlichkeiten und Sicherheitsmaßnahmen. Wer diese Dokumentation konsequent führt, reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Köpfen erheblich und schafft zugleich die Grundlage für Audits und Zertifizierungen. Ein einfaches Beispiel: Liegt eine aktuelle Netzwerkdokumentation vor, lässt sich ein Vertretungsfall innerhalb weniger Stunden überbrücken, fehlt sie, kann allein die Rekonstruktion der Systemlandschaft mehrere Arbeitstage binden.
In der Praxis hat sich eine Kombination mehrerer Bausteine bewährt.
- Eine zentrale Wissensdatenbank oder ein Wiki für Systemarchitektur und Prozesse.
- Klare Verantwortlichkeiten, etwa über eine RACI-Matrix, die Rollen wie verantwortlich, zustimmungspflichtig, konsultiert und informiert unterscheidet.
- Versionierte Änderungsprotokolle für IT-Systeme, damit jede Anpassung nachvollziehbar bleibt.
- Ein strukturierter Onboarding-Prozess für neue Mitarbeitende oder externe Dienstleister, der zentrales Systemwissen von Anfang an vermittelt.
Solche Bausteine ersetzen kein Fachwissen, aber sie machen es nachvollziehbar und übertragbar. Gerade beim Ausscheiden von Mitarbeitenden zeigt sich, ob ein Unternehmen über belastbare Prozesse für den Wissenstransfer verfügt oder ob es bei jedem Personalwechsel wieder von vorn beginnt.
IT-Sicherheit und Wissensmanagement gehören zusammen
Wissensverlust stellt nicht nur eine Herausforderung für die Organisation dar, sondern birgt auch sicherheitstechnische Gefahren. Wenn keine Dokumentation zu Aspekten wie der Netzwerkarchitektur, den Zugriffsrechten oder den Backup-Verfahren vorhanden ist, dauert es erheblich länger, auf IT-Vorfälle angemessen zu reagieren. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt im Standard 200-4 für das Business Continuity Management ausdrücklich, kritische Prozesse sowie das erforderliche Wissen im Voraus zu dokumentieren, anstatt im Krisenfall danach zu suchen.
Zusätzlich sind Kennzahlen aus dem laufenden IT-Betrieb ein wesentlicher Bestandteil dieses Wissens. Diese Kriterien ermöglichen eine objektive Bewertung der Qualität der IT-Betreuung. Wenn ein Teil dieser Aufgaben an einen spezialisierten Dienstleister ausgelagert wird, können solche Kennzahlen oftmals vertraglich über Service Level Agreements (SLAs) festgelegt und regelmäßig überprüft werden.
Demografischer Wandel als zusätzlicher Treiber
Der Generationswechsel in vielen Betrieben verstärkt die Dringlichkeit des Themas. Mitarbeitende, die seit Jahrzehnten im Unternehmen sind und über entsprechend gewachsenes Systemwissen verfügen, gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. Anders als bei einer Kündigung lässt sich dieser Zeitpunkt zwar meist langfristig planen, in der Praxis wird die Übergabephase aber häufig zu knapp bemessen, weil Tagesgeschäft und Übergabe parallel laufen müssen.
Ein geregelter Wissenstransfer, etwa über begleitete Übergabeprojekte, feste Übergabeprotokolle oder eine schrittweise Einbindung externer IT-Partner, kann diesen Übergang erleichtern, ohne dass operative Risiken entstehen. Gerade kleinere Unternehmen ohne eigene Personalabteilung profitieren davon, diesen Prozess nicht improvisieren zu müssen, sondern auf ein erprobtes Vorgehen zurückzugreifen.
Erste Schritte für Unternehmen
Wer das Risiko eines Wissensverlusts in der eigenen IT verringern möchte, sollte nicht erst beim Weggang eines Mitarbeiters reagieren. Eine erste Bestandsaufnahme der eigenen Systeme, eine klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten und ein verbindlicher Dokumentationsstandard lassen sich auch mit begrenztem Aufwand starten und schrittweise ausbauen. Sinnvoll ist zudem ein regelmäßiger Abgleich, ob die hinterlegte Dokumentation noch dem tatsächlichen Stand der Systeme entspricht, denn veraltete Unterlagen helfen im Ernstfall nur wenig.
Unternehmen, die diese Aufgabe nicht allein stemmen können oder wollen, finden in spezialisierten IT-Dienstleistern einen Partner, der Dokumentation, Monitoring und Support aus einer Hand anbietet. So bleibt das Wissen über die eigene IT-Landschaft auch dann verfügbar, wenn sich die Belegschaft verändert. Entscheidend ist, frühzeitig zu beginnen, denn Wissen lässt sich am einfachsten sichern, solange die Person, die es besitzt, noch im Unternehmen ist und ihr Wissen aktiv weitergeben kann.