wissensmanagement - April/Mai 2018

Titelthema

Demografiefalle: Droht uns ein Wissensexodus?
Unternehmen im Generationen-Dilemma

Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft stellt Unternehmen vor immense Herausforderungen und zwingt sie, mehrere Stellschrauben gleichzeitig neu zu justieren. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, bedarf es dabei enormen Kraftanstrengungen: Während Recruiter händeringend um neue Mitarbeiter werben, versuchen die HR-Verantwortlichen, das bestehende Personal möglichst langfristig zu binden. Doch je mehr Fachkräfte sich in den Ruhestand verabschieden, desto mehr Aufgaben müssen auf immer weniger Schultern verteilt werden. Damit stoßen die Arbeitnehmer schnell an ihre Belastungsgrenzen, was wiederum die Wechselwilligkeit erhöht. Ein Teufelskreis droht. Um ihn zu durchbrechen, werden die Anstrengungen im Recruiting intensiviert. Bei alldem wird jedoch eines oft (noch) übersehen: Die mit ihrer Pensionierung ausscheidenden Mitarbeiter reißen nicht nur ein großes Loch in die Personaldecke. Die immaterielle Lücke, die sie hinterlassen, ist noch viel größer: Ohne strategische Wissenssicherung nehmen sie wertvolles Know-how mit in Rente. Oft handelt es sich dabei um über Jahrzehnte erworbenes Erfahrungswissen, das sich weder durch Weiterbildung noch durch junge Nachwuchskräfte ersetzen oder kurzfristig wieder aufbauen lässt. Bleibt dieser Aspekt in der Wirtschaft unberücksichtigt, droht schon in Kürze ein großflächiger Wissensexodus. Wie Sie diesen für Ihre Organisation vermeiden können, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von „wissensmanagement – Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration“.


Editorial

Was haben Wissenssicherung und Digitalisierung miteinander zu tun?

von Oliver Lehnert

Unternehmen stehen derzeit enorm unter Druck. Insbesondere die Digitalisierung zieht dringenden Handlungsbedarf nach sich. Prozesse müssen optimiert, Services automatisiert und smarte Produkte entwickelt werden. Intelligente Vernetzung, Big Data und das Internet der Dinge bieten die Gelegenheit, die eigene Marktposition ganz neu zu bestimmen. Wer jetzt die richtige Idee hat oder das passende Projekt initiiert, der kann einen Quantensprung nach vorn machen. Dafür bedarf es insbesondere zweierlei Dinge: engagierte und motivierte Mitarbeiter auf der einen und einzigartiges Wissen als Wettbewerbsvorteil auf der anderen Seite.

Praxis Wissensmanagement

Digitalisierung

Digitalisierung: Wie nutzen junge Chinesen das Internet?

von Brigitte Ott-Göbel

Wohin ich auch gehe, wohin ich auch sehe bei meinen Spaziergängen auf dem Campus, beim Gang in die Mensa, beim Besuch der Yogaklasse oder des Fitnessstudios, das Smartphone ist allgegenwärtig. Es gibt keine zuverlässige Statistik über die Anzahl der Smartphones in China, eine staatliche Erhebung weist für das Jahr 2016 780 Millionen Nutzer aus, das entspricht ungefähr 60 Prozent der Bevölkerung. Definitiv haben alle Studenten eines, ihr Leben wäre ohne nicht denkbar. Dabei ist Telefonieren derjenige Dienst, den sie am wenigsten nutzen. Die wichtigste App für junge Menschen ist „Weixin“, auf Englisch: WeChat. WeiXin heißt auf Deutsch „kleine Nachricht“ und das beschreibt auch den Ursprung des Dienstes, der 2011 von Tencent, einem der größten chinesischen Internetunternehmen veröffentlicht wurde. Damals gab es WhatsApp bereits zwei Jahre, aber aufgrund der Tatsache, dass das Internet in China der Zensur unterliegt, entwickelte sich WeChat deutlich schneller.


Advertorial

Der pragmatische WBI Wissensmanagement Prozess aus der Praxis für die Praxis

von Andreas Sutter

Unternehmen setzen unterschiedliche Wissensmanagement-Methoden ein und beklagen die mangelhaften Ergebnisse ihrer Bemühungen. Praktiker vermissen oft geeignete Konzepte zur Umsetzung. Meist werden reine Softwaresysteme, ohne konkrete Methodik, eingeführt. Das Resultat sind fehlende Akzeptanz und hohe Kosten ohne spürbaren Nutzen. Zusätzlich ist es Führungskräften häufig nicht möglich, ein Bewusstsein zu vermitteln. Der Aufwand zu Beginn wirkt abschreckend und hindert den Einsatz wichtiger Maßnahmen. Ziel muss es jedoch sein, sich gegen jeglichen Abgang von Wissen, sei es durch Vergessen oder Mitarbeiteraustritt, zu schützen. WBI Wissensmanagement folgt einem einfachen Prozess, mit dem es gelingt, das unternehmensweite Wissen besser in den Arbeitsalltag jedes einzelnen zu integrieren. Gleichzeitig wird das wichtige Wissen zentral abgelegt und für die Zukunft gesichert.


Immaterielles Kapital

Die Welt ist komplex, packen wir es an! Ein Plädoyer für das Wissensmanagement

von Jörg Becker

Das Entscheidungsumfeld von Unternehmen ist laufenden Veränderungen unterworfen: Durch die Globalisierung entstehen erweiterte Wirtschaftsräume, durch das Internet neue Interaktions- und Veränderungsdynamiken. Durch die multidimensionale Verflechtung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft gibt es immer weniger Ereignisse, die nicht in der einen oder anderen Form auch immer Unternehmen (direkt oder indirekt) tangieren. Keine Einzelperson verfügt über genug Wissen, um sämtliche Möglichkeiten einer solchen ungeheuren Komplexität noch sicher zu verstehen und zu kontrollieren. Wer aber das umgebende Geschehen nicht mehr vollständig erfassen kann, muss Wissenslücken, Zielkonflikte und Kontrollverluste in Kauf nehmen. Je komplexer sich dieses Umfeld darstellt, desto mehr bedarf es geeigneter Instrumente für das Ausloten von Handlungsspielräumen.

Titelthema

Erfahrungswissen

Droht uns ein Wissensexodus?

von Nicole Lehnert

Im Zuge der Digitalisierung gewinnt die Ressource Wissen weiter an Bedeutung. Industrie 4.0 und smarte Vernetzung machen Daten zum wichtigsten Rohstoff der Unternehmen. Es kommt darauf an, die vorhandenen Informationen systematisch auszuwerten, intelligent zu verknüpfen und wertschöpfend zu nutzen. Gerade Letzteres ist aber weitgehend nur auf Basis von Erfahrungswerten möglich. Und genau dieses Wissen existiert in den meisten Betrieben derzeit noch nicht in intelligenten, hoch vernetzten und jederzeit zugreifbaren IT-Systemen, sondern ausschließlich in den Köpfen der Mitarbeiter.


Best Practice

Erfahrungen sichern und wiederfinden: Die NASA setzt auf Graphdatenbanken

von Dirk Möller

Der demografische Wandel stellt Unternehmen vor eine große Herausforderung: Altersbedingt verabschieden sich zunehmend mehr Mitarbeiter in den Ruhestand und mit ihnen wertvolles Know-how aus vielen Jahrzehnten Berufspraxis. In Projektdatenbanken lassen sich diese Erfahrungen zwar in Form von Lessons Learned festhalten, um die gesammelten Daten zu vernetzen und effektiv zu nutzen, sind jedoch neue Technologien gefragt.


Best Practice

Wissen dokumentieren und kommunizieren: Das digitale Handbuch der Kliniken Südostbayern

von Silke Blumenröder

Wenn Mitarbeiter den Arbeitgeber wechseln oder sich in den wohl verdienten Ruhestand verabschieden, besteht oft die Gefahr, dass sie ihr – teils über Jahrzehnte gesammeltes – Wissen mitnehmen. Für Unternehmen können aus Wissensverlusten schnell Gewinnverluste werden. Moderne Software hilft dabei, Know-how zu digitalisieren, transparent zu machen und weiterzuentwickeln.


Human Resources

Mitarbeiter binden, Wissen sichern

von Tobias W. Goers

Die Arbeitslosenquote sinkt in Deutschland seit Jahren, während die Zahl der Arbeitsplätze 2018 auf einen neuen Rekordwert klettern wird. Doch in wenigen Jahren gehen die Baby Boomer der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge in den Ruhestand. Gleichzeitig wird es durch den demografischen Wandel an Berufseinsteigern und jungen Nachwuchstalenten mangeln. Die Folgen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen: steigende Kosten und eine länger andauernde Suche nach geeigneten Mitarbeitern. Sind diese erst gefunden, wird es umso wichtiger, sie auch im Betrieb zu halten. Talentmanagement, Karriereplanung und Digitalisierung werden so zu den Schlagwörtern für erfolgreiche Unternehmen.


Demografie

Performance Management: Demografischer Wandel zwingt HR zum Umbruch

von Sascha Grosskopf

Ganz entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Betriebsgröße: Je mehr Mitarbeiter ein Unternehmen beschäftigt, desto häufiger führt es entsprechende Maßnahmen durch. 47 Prozent der kleineren Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern dagegen arbeiten noch mit Standardsoftware, viele benutzen überhaupt keine IT-basierten Lösungen für das Performance Management. Auch moderne Feedback-Ansätze wie beispielsweise die 360-Grad-Methode, bei der die Leistung eines Mitarbeiters aus verschiedenen Perspektiven von gleich mehreren Personen beurteilt wird, findet sich vor allem bei Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten. Auch hier sind es wieder die großen Organisationen, die ein strukturiertes Performance Management betreiben. Bei Mittelständlern mit weniger als 1.000 Mitarbeitern ist es nicht einmal bei jedem zweiten Betrieb der Fall.


Studie

Flexible Kompetenzmodelle als Antwort auf den demografischen Wandel?

von Alexandra Hiekel, Mona Mischke

Kompetenzmodelle sind klassische und grundlegende HR-Instrumente im Personalwesen. Aber passen sie eigentlich auch in die zukünftige Arbeitswelt? Machen sie das Personalwesen nicht auch unflexibel und starr? Rechtfertigt der Nutzen den mitunter großen Aufwand der Erstellung und Pflege? Und was hat das eigentlich mit dem demografischen Wandel zu tun? Im Zuge all dieser Fragen hat sich die „meta | five Jahresstudie 2017“ damit beschäftigt, wie Kompetenzmodelle eigentlich aussehen und entwickelt werden müssten, um die Anforderungen der flexiblen Arbeitswelt und damit auch des demografischen Wandels zu unterstützen.

Digitalisierung

Gesetzgebung

DSGVO: Das Recht auf Löschung - Einfallstor für Bußgelder?

von Simone Rosenthal

Am 25. Mai 2018 tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Mit ihr gehen einige Neuerungen auch bezüglich des Rechts auf Datenlöschung einher. Unternehmen sollten diese dringend berücksichtigen, da das Recht auf Datenlöschung als „Recht auf Vergessenwerden“ in einem Verfahren gegen Google erhebliche mediale Aufmerksamkeit erfuhr und daher unter erhöhter Aufsicht der Behörden stehen dürfte. Die Bußgelddrohungen der DSGVO können dabei für kleinere und mittlere Unternehmen existenzbedrohend werden. Wichtigster Unterschied zwischen der bisherigen Rechtslage und der DSGVO sind die Informationspflichten gegenüber anderen Verantwortlichen sowie gegenüber der betroffenen Person.


IT-Sicherheit

IT-Administrationskontrolle: Mit der EU-DSGVO vereinbar?

von Tilman Dralle

Mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) gelten insbesondere für den Bereich der technisch-organisatorischen Datensicherheit verschärfte Bedingungen. Ein spezifisches Instrument kann datenverarbeitende Unternehmen in Deutschland darin unterstützen, ihre datenschutzrechtliche Pflicht zur Gewährleistung der „Sicherheit der Verarbeitung“ gemäß Artikel 32 DSGVO zu erfüllen: die so genannte „Administrationskontrolle“ bzw. das „Privileged Access Management“. Sie verfolgt das zentrale Ziel, die Aktivitäten von Nutzern mit privilegierten Berechtigungen zu analysieren und zu protokollieren.

Human Resources

Leadership 2.0

Fallen im Management: Risikoanalyse für Wissensmanager

von Michael Reiss

Fallen, also intransparente, unerwartete und oft unerklärbare Risiken, sind nicht nur im Management, sondern auch in anderen Bereichen verbreitet. Selbst wenn Manager ein Problembewusstsein für die grundsätzliche Existenz von Fallen haben, benötigen sie noch weitere Orientierungshilfen, um die Entstehungs- und Wirkungslogik dieser Risikokategorie zu verstehen. Zudem erweist es sich als sehr hilfreich zu wissen, dass es mehrere, sehr unterschiedliche Typen von Fallen gibt.


Unternehmenskultur

Soziokratie - das neue Führungsverständnis für die digitale Arbeitswelt

von Stephan Lobodda, Christoph Schlachte

Bereits der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas hat in seiner Diskurstheorie dafür plädiert, dass bei Auseinandersetzungen und Konfrontationen das beste Argument gewinnen möge. Unter dem Motto „Argument schlägt Hierarchie“ wird die Soziokratie als Organisations- und Führungsmodell diskutiert, mit der sich die Herausforderungen der modernen Berufs- und Arbeitswelt in den Griff bekommen lassen. Dabei hat das Modell mit Vorurteilen zu kämpfen.


Interview

Sind Recruitingprozesse sinnvoll automatisierbar?

von Christian Montel

„Digital first“ lautet das Gebot der Stunde. Nahezu flächendeckend arbeiten Unternehmen an ihrer Digitalisierungsstrategie, analysieren ihre Prozesse und stoßen an Grenzen der Automatisierbarkeit. Was ist standardisierbar? Wo können und wollen wir auch in Zukunft auf Menschen nicht verzichten? Und welche Prozesse sind so veränderbar, dass eine Automatisierung Sinn ergibt? Wo die faktischen Chancen der Digitalisierung Gefahr laufen, aus dem Blick zu geraten, plädiert Dr. Christian Montel für bedachtes Handeln: Der Mensch wird im Talent Relationship Management immer die entscheidende Rolle spielen. Und eine sinnvolle Digitalisierung bereitet Daten und Fakten so auf, dass Menschen Entscheidungen schnell und auf objektiver Datengrundlage fällen können. Welchen Nutzen dieser Ansatz besonders im Recruiting verspricht und wie Unternehmen jetzt daraus schöpfen können, erklärt der Geschäftsführer der ELIGO Psychologische Personalsoftware GmbH im Gespräch mit wissensmanagement – Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration.


Trends

Personalauswahl ist Marketing

von Thomas Völkl

Die Suche nach neuen Mitarbeitern ist bereits heute für viele Firmen eine sehr zeitaufwändige Angelegenheit. Die bislang erfolgreichen Wege, neue Mitarbeiter zu finden, greifen nicht mehr. Zeitungsannoncen bleiben zum Teil ohne Erfolg und die wenigen Bewerber haben meist nicht das erforderliche Kompetenzprofil, welches für die offene Stelle notwendig wäre. Umso wichtiger ist es, die Herausforderungen im Personalmanagement zu erkennen und im Unternehmen rechtzeitig eine Methodenkompetenz aufzubauen. Das Ziel ist eine exzellente Personalauswahl. Die Basis bildet ein optimaler Prozess, der mit und für Menschen arbeitet.


Paradigmenwechsel

Corporate Health: Unternehmen in der Pflicht

von Horst Kraemer

Die Arbeitswelt verlangt zunehmend Flexibilität und Mobilität von ihren Mitarbeitern – feste Arbeitszeiten und Standortgebundenheit werden zur Ausnahme. Der heutige Stand der Technik ermöglicht es ja, sämtliche Tätigkeiten zu jeder Zeit an jedem Ort auszuführen. Digitale Tools sind dabei die Basis und sie halten auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) immer mehr Einzug. Auch hier ist der Megatrend Digitalisierung als Schlagwort mittlerweile in den Unternehmen angekommen. Aber ist es damit auch gleichzeitig Bestandteil ihrer Wissensstrategie? Und vor allem: Wie kann Corporate Health als Basis für Recruitingmaßnahmen und Arbeitgeberqualität stärker genutzt werden?

Trends

Persönliches Wissensmanagement

Achtsamkeit: Kult der Selbstoptimierung oder Hinwendung zum Wesentlichen?

von Helmut Seßler

Die Wirtschaft boomt, den meisten Unternehmen geht es gut oder sogar hervorragend. Doch aufgrund der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels müssen die gut ausgebildeten Wissensmanager immer mehr leisten, die Ansprüche wachsen. Damit drohen Hektik, Stress und Überbeanspruchung bis hin zum Burnout. Ein Weg, sich dagegen zu schützen, heißt: „Gehe achtsam mit dir und deinen Ressourcen um!“ Was ist dran an dem Trend zur Achtsamkeit?


Industrie 4.0

Künstliche Intelligenz im Stammdatenmanagement: Tollkühne Vision oder bereits gelebte Realität?

von Christian Fuchs

Die digitale Welt scheint sich immer schneller zu drehen. Daten und Managementdisziplinen, die sich damit befassen, erfahren wachsende Aufmerksamkeit. Enterprise Information Management (EIM), das sich mit allen Informationstypen im Unternehmen beschäftigt, und auch das Master Data Management (MDM), also das Management der Stammdaten, werden folglich immer relevanter für den wirtschaftlichen Erfolg. Doch welche Rolle spielen EIM und MDM im Rahmen der digitalen Transformation? Wie können diese Disziplinen fit für die Zukunft gemacht werden? Antworten gibt die Camelot-Studie „Shaping the future of Enterprise Information Management“.

Heft bestellen