Weiterbildung als Motor für das Arbeitgeberimage

In Zeiten des Fachkräftemangels wird es immer wichtiger, Mitarbeiter zu binden und neue für sich zu gewinnen – ein attraktives Weiterbildungsangebot hilft den Unternehmen hierbei. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen TNS Infratest-Studie „Weiterbildungstrends in Deutschland 2017“. Die Umfrage wurde bereits zum neunten Mal in Folge im Auftrag der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) unter 300 Personalverantwortlichen in deutschen Unternehmen durchgeführt. Auch für neue Arbeitnehmer spielt Weiterbildung eine große Rolle: Laut 71 Prozent der befragten HR-Manager wird das Thema für viele Bewerber bereits im Vorstellungsgespräch immer wichtiger.

Die Personalentwicklung ist eine wichtige Aufgabe der HR-Abteilungen. Zu den Zielen zählen, den Fach- und Führungskräftebestand zu sichern, Mitarbeiter zu binden oder neue Talente zu finden. Ob dies gelingt, hängt oft vom Ruf des Unternehmens als Arbeitgeber ab: Wie sind die Gehälter? Wie die Unternehmenskultur? Wie die Weiterbildungsmöglichkeiten? Laut 86 Prozent der befragten Personalverantwortlichen ist ein attraktives Weiterbildungsangebot für die Bindung von Mitarbeitern wichtig bis äußerst wichtig. „Zu Zeiten des Fachkräftemangels ist es entscheidend, Mitarbeiter zu halten. Arbeitgeber, die ansprechende Schulungen anbieten, investieren in die Weiterentwicklung jedes einzelnen. Gleichzeitig drücken sie damit auch ihre Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern aus“, so Andreas Vollmer, Leiter Studienprogramm und Services bei der SGD. Auch bei der Personalgewinnung können Unternehmen mit Fortbildungen punkten. Für 79 Prozent der befragten Personaler spielen Weiterbildungsmöglichkeiten für das Recruiting neuer Mitarbeiter eine wichtige bis äußerst wichtige Rolle.

Guter Ruf eilt voraus

Darüber hinaus geben 80 Prozent der HR-Manager an, dass attraktive Weiterbildungsangebote das Arbeitgeberimage stärken. Der Grund: Sie zeigen persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen im Unternehmen auf (83 Prozent), untermauern eine nachhaltige Personalstrategie (79 Prozent) und symbolisieren eine Unternehmenskultur des Lernens (77 Prozent). Ein weiterer Vorteil ist, dass Unternehmen sich so von der Konkurrenz abheben können (75 Prozent). „Die Studie zeigt: Mitarbeiter durch Weiterbildung zu binden, bringt mehrere Vorteile. Für 50 Prozent der Befragten bleiben dadurch Wissen und Know-how im Unternehmen und für 48 Prozent können so Fachkräfte aus den eigenen Reihen entwickelt werden. 47 Prozent sind zudem überzeugt, dass sie auf diesem Weg motivieren und wertschätzen können. Für Mitarbeiter, die sich zeit- und ortsunabhängig weiterbilden möchten oder beispielsweise im Schichtbetrieb arbeiten, ist es ideal, wenn auch Fernlehrgänge Teil des Weiterbildungsportfolios eines Unternehmens sind. Sie ermöglichen es, sich neben dem Beruf auf neue Aufgaben vorzubereiten“, erläutert Vollmer.

Ein Blick in die Unternehmenspraxis: Flachglas Wernberg GmbH

Bei der Flachglas Wernberg GmbH, einem Glasveredelungsunternehmen in der Nordoberpfalz (Bayern), ist die Sicherung der Mitarbeiterressourcen ein wichtiges Thema der Personalarbeit. „HR-Leitung und Geschäftsführung legen dabei großes Augenmerk auf die Personalentwicklung und Weiterbildung”, so Heike Schlenker, HR-Managerin des Unternehmens, das rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. „Bei unseren ausgelernten Jungfacharbeitern und Industriekaufleuten ist Fortbildung besonders wichtig, da die Ausbildung nicht spezialisiert ist, wir aber Spezialwissen benötigen, um uns am Markt behaupten zu können. Auch in unserem Recruiting spielt Weiterbildung eine große Rolle. Wir werben mit ihr und machen sie – je nach Position und Aufgabe – zu einem Bestandteil unserer Arbeitsverträge.“

Flachglas bietet vor allem Fernlehrgänge an, die zu einem IHK-Abschluss führen. „Ein Großteil der Teilnehmer sind kaufmännische Azubis, die oft schon während der Ausbildung mit einem Fernlehrgang beginnen. Oder auch Kollegen, die einen neuen Aufgabenbereich übernehmen möchten.“ Die Beweggründe für berufsbegleitendes Fernlernen sind Aufstiegsqualifizierungen, Nachfolgeregelungen im Rahmen der Demographie und Spezialisierungen zum Beispiel von kaufmännischen Auszubildenden, die sich in Richtung Accounting, HR oder Marketing entwickeln möchten. Für die Fortbildung stellt das Unternehmen die Mitarbeiter für die Seminare im Rahmen des Fernlehrgangs frei und übernimmt die Kosten, während die Teilnehmer ihre freie Zeit in Lernphasen und Prüfungen investieren. Schlenker zu den Vorteilen eines berufsbegleitenden Fernstudiums: „Mit Fernlehrgängen können wir Fachwissen aufbauen, ohne im täglichen operativen Geschäft auf die Mitarbeiter verzichten zu müssen. Wer ein Fernstudium durchhält, zeigt zudem Commitment zum Unternehmen und zur neuen Aufgabe. Dieses Engagement ist aus unserer Sicht sehr anerkennenswert.”

Was Bewerber im Vorstellungsgespräch interessiert

Welche Weiterbildungen werden angeboten? Wie viele Schulungen sind für ein Jahr vorgesehen? Dies sind typische Fragen eines Kandidaten im Bewerbungsgespräch. Laut 71 Prozent der Personalverantwortlichen werden Weiterbildungsmöglichkeiten bei potenziellen Mitarbeitern in Vorstellungsgesprächen zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. Das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr (63 Prozent).

Entwicklung der Weiterbildungsbudgets 2015 bis 2017

Bei den Weiterbildungsbudgets in den Unternehmen rechnen für 2017 81 Prozent der befragten HR-Manager mit gleichbleibenden bzw. steigenden Budgets, während 12 Prozent sinkende Budgets erwarten. Die Entwicklung über die letzten drei Jahre zeigt einen leichten Anstieg bei den gleichbleibenden bzw. steigenden Budgets (2016: 79 Prozent, 2015: 75 Prozent).

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