Heft 5 Juli/August 2006
| Titelthema
Aller Anfang ist schwer: Wie wähle ich eine geeignetes Wissensmanagement-System aus?
Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual. So ergeht es auch Führungskräften, die erkannt haben, dass sie für ein gutes Wissensmanagement eine gut funktionierende technische Infrastruktur benötigen, aber die Entscheidung aufgrund der Vielzahl der am Markt angebotenen IT-Lösungen hinauszögern. Eine Hilfestellung leistet hier unsere Marktübersicht einiger innovativer Wissensmanagement-Lösungen und ihrer Leistungen.
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Editorial
Wissensmanagement mit System (pdf)
News
Praxis Wissensmanagement
Wissensorganisation
Der zweite Mann oder die Doppelspitze
von Peter Schütt
In der hierarchischen Struktur moderner Organisationen gibt es meistens genau eine Person als Leiter. Unter Wissensmanagementgesichtspunkten stellt sich die Frage, ob das wirklich effektiv ist? Es gibt eine Reihe wichtiger Kompetenzen, die man nicht gleichzeitig haben kann. Dazu zählt auch das eigene Wissensspektrum, das nie allumfassend sein kann. Sind Gespanne von zwei oder gar drei Führungskräften nicht vielleicht die bessere Lösung? Problematisch sind dann Ränkespiele und manchmal bewusste Kommunikationsfehler. Hier helfen eine klare Aufgabenverteilung und moderne Kommunikationsmittel einer Wissensorganisation. Auch persönlich muss man sich die Frage stellen, ob man vom Typ her eher die Person an der Spitze ist oder der zweite Mann.
Technologie
Social Software im Unternehmen – (k)ein Strohfeuer?
mit Ulrike Cress, Joachim Kimmerle
Nachdem sich die Euphorie um klassische Wissensmanagementtechniken weitgehend gelegt hat, widmet sich die Wissensmanagementliteratur seit kurzem einem neuen Thema, der Social Software. Viele knüpfen hohe Erwartungen an diesen Ansatz, der auch unter dem Begriff Web 2.0 bekannt geworden ist. Social Software bietet die Möglichkeit, durch einfache technische Tools wie Blogs oder Wikis den Wissensaustausch in Unternehmen so attraktiv zu gestalten, dass er eine lebendige Kommunikation unter großer Beteiligung der Mitarbeiter ermöglicht. Vorbilder dazu sind aktive Diskussions- und Tauschforen im WWW, Blogs oder Wikis, vor allem aber die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Noch ist allerdings offen, inwieweit es gelingen kann, diese Vorbilder auf den Wissensaustausch in Unternehmen erfolgreich zu übertragen.
Interview
Erfahrungswissen lebendig halten
mit Martin Wilke
17 Jahre intensive internationale Entwicklungsarbeit waren notwendig, bis die Satelliten-Mission „Rosetta“ auf ihren Weg ins All geschickt werden konnte. Eine Herausforderung auch für das Wissensmanagement, denn mit dem Start der Kometensonde ging gleichzeitig wichtiges Entwicklungswissen der europäischen Raumfahrt auf die Reise: Anspruchsvolle Experimente aus verschiedenen europäischen Ländern und den USA sind Bestandteil dieses Projekts, das zu den ehrgeizigsten der europäischen Raumfahrt zählt. Eine Besonderheit des Projekts liegt auch in seinem Zeitrahmen – es dauert dreimal so lange wie typische Raumfahrtmissionen. Wenn Rosetta in etwa zehn Jahren den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko erreicht, werden einige Entwicklungsteams bereits aufgelöst und entscheidendes Wissen für die Bedienung der Experimente verloren sein.
Titelthema
Wissensmanagement-Systeme
Die Qual der Wahl: Das geeignete Wissensmanagement-System finden
von Kirsten Seegmüller
Die Notwendigkeit, Wissen im Unternehmen so effizient wie möglich zu nutzen und zu steuern, haben inzwischen die meisten Firmenchefs, Abteilungsleiter und Personaler erkannt. In vielen Betrieben kommen auch schon einzelne Tools zur Unterstützung von Wissensverteilung zum Einsatz. Dabei handelt es sich aber meist um Insellösungen, die entweder gar nicht oder nur mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand erweitert und in andere Systeme integriert werden können. Bei der Installation neuer Software sollte man daher auf standardisierte Schnittstellen achten.
Zum Greifen nah
von Kirsten Seegmüller
Je persönlicher der Kontakt, desto effektiver die Kooperation. Diesen Grundsatz hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) bei der Entwicklung des Konferenztools VITERO verfolgt. Das Ergebnis unterscheidet sich entsprechend von den üblichen Lösungen: Die grafische Oberfläche orientiert sich an der realen Besprechungssituation und verleiht Teilnehmern von virtuellen Meetings und Schulungen eine persönliche Note. Nach sechs Jahren Forschung ging das gleichnamige Spin-Off 2004 an den Markt. Die Software wurde inzwischen bereits von über 1000 Menschen eingesetzt.
META-DOK - das webbasierte Dokumenten- und Wissensmanagement-System
von Peter Raber
Die Schaffung eines „zentralen Wissenspools“ war das Ziel der META-LEVEL Software AG, als sie das Dokumenten- und Wissensmanagement META-DOK entwickelte. Dort sollten nicht nur alle relevanten Dokumente und Informationen im Unternehmen gespeichert werden, sondern die Mitarbeiter auch die Möglichkeit haben, unabhängig von Ort und Zeit auf diese Daten zuzugreifen.
So einfach wie Telefonieren - Collaboration-Lösungen bieten viel Potenzial für Prozessoptimierungen
von Florian Moser
Die Abwicklung von Geschäftsprozessen findet nach einer Studie von Gartner nicht nur innerhalb eines Unternehmens statt, sondern auch im externen Austausch und auf kollaborativer Ebene. Collaboration-Tools sind nicht nur als Einzellösung vorteilhaft für die Teamarbeit, sondern können als offenes System, eingebunden in Enterprise-Content-Management-Strukturen (ECM), unternehmensübergreifende Prozesse unterstützen.
Dokumentation + Kommunikation
Wissensmanagement in Verbänden
Verbandsinteressen statt Unternehmensziele
von Ina Finke, Holger Kohl
Viele Verbände stehen angesichts sinkender Mitgliederzahlen vor wachsenden Herausforderungen. Es wird immer schwieriger, Mitglieder für ehrenamtliche Tätigkeiten zu motivieren sowie den Nachwuchs zu sichern. Dabei leben gerade Verbände von ihren Mitgliedern, die bereit sind, ehrenamtlich ihre Zeit zu investieren und ihre Erfahrungen in die Verbandsarbeit einzubringen. Ein lebendiges, in die Verbandspraxis integriertes Wissensmanagement kann diese Probleme lösen und die Zukunft von Verbänden sichern. Welche Ziele und Lösungen muss ein Wissensmanagement in Verbänden verfolgen und anbieten?
Wissensnetzwerk
Soziale Netzwerkanalyse
von Gerald Lembke, Michael Vyborny
Netzwerke werden aus zwei Gründen immer wichtiger: Erstens sind Angebote zu Produkten und Dienstleistungen in der heutigen Zeit immer schwerer voneinander zu trennen. Kleinunternehmen haben in einer sich schnell konzentrierenden Wirtschaft kaum Chancen. Zweitens macht dieser marktorientierte Angebotsüberhang sich auch in Unternehmen bemerkbar. Viele Mitarbeiter haben profundes Wissen über Arbeitsabläufe und verfügen über Know-how, wie Wertschöpfung optimal gestaltet werden kann. Doch die meisten Unternehmen nutzen dieses Wissen nicht effizient.
Umfrage
Elektronische Medien effizient nutzen
von Frank Martin Hein
Elektronischen Medien sind in Deutschland flächendeckend installiert und in allen Branchen im Einsatz. Große Unterschiede aber gibt es bei deren Nutzung: Inhalte, Umgangsstil, Verantwortung für Installation und Verwendung handhaben Unternehmen sehr unterschiedlich. Nur wenige setzen sie bereits gezielt als Instrument des Wissensmanagements ein, obwohl der Umgang mit Wissen vorwiegender Teil des beruflichen Alltages ist. Das ergab eine Umfrage unter 500 deutschen Unternehmen im November 2005.
Human Resources
Soft Skills
Humor ist, wenn man besser arbeitet
von Cristián Gálvez
„Mit seinem geselligen Wesen trug er stets positiv zum Betriebsklima bei“: Wer einen solchen Satz im Arbeitszeugnis findet, hat in der Regel nichts mehr zu lachen – denn so verklausulieren Chefs nichts anderes als einen trinkfreudigen Versager. Kein Wunder, denn Humor gilt noch in vielen deutschen Betrieben als der natürliche Feind der Effizienz. Und überhaupt: Wer lässt sich schon gerne als komische Betriebsnudel abstempeln? Doch gerade jetzt, in wirtschaftlich eher ernsten Zeiten, entdecken Management-Profis, Personalberater und Profi-Trainer die Kraft des Humors als Motor für intelligente Problemlösungen und Wunderwaffe für mehr Effizienz, Einsatz und Erfolg. Welch ein Wandel!
Emotionales Wissen
Emotional statt rational
von Klemens Keindl, Matthias Rudlof
Die Thematisierung von Emotionen ist im professionellen Business und den Diskursen des Managements nur selten und – wenn überhaupt – in bestimmten Settings der Personalentwicklung (z.B. Weiterbildung, Coaching) möglich. Im Wissensmanagement ist die emotionale Seite des Wissens erst recht verpönt. Dabei zeigen Veränderungsprozesse in Organisationen sehr deutlich, wie wichtig die transparente Einbeziehung der Emotionen der Mitarbeiter in Kooperations- und Wissensprozesse ist, da entscheidendes Wissen sonst nicht erschlossen und verbreitet wird oder Blockaden in der Zusammenarbeit kommt.
Kommunikation
Wertschöpfung und Kommunikation - ein erfolgreiches Team?
von Uwe Wache
Wer in Workshops immer wieder beobachtet, wie wenig Wissen um Projekte anderer im Unternehmen existiert – ob in den Regionalgesellschaften, Geschäftsbereichen oder Fachabteilungen –, reibt sich die Augen ob der Vernichtung von intellektuellem Kapital, Zeit und Effizienz. Da Kräfte nicht gebündelt werden, wird weder nach innen noch nach außen effektiv kommuniziert. Im Ergebnis wird vieles doppelt und dreifach gemacht, aber außerhalb der Unternehmen wenig Differenzierendes von diesen Aktivitäten wahrgenommen. Der Grund: Die Kommunikation nach innen und außen funktioniert nicht reibungslos, denn nur wenige Unternehmen verfügen über eine schlüssige und fundierte Kommunikationsstrategie.
Trends
Branchenthema
Elektronischer Wissenstransfer: Königsweg für die Beratungspraxis
von Markus Reihlen, Jan-Florian Schlapfner
Beratungsunternehmen leben primär von der Entwicklung und (Wieder-)Verwertung intellektueller Ressourcen. Daher stellt für sie die Fähigkeit Wissen effektiv innerhalb des Unternehmens zu transferieren, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar. Die Praxis zeigt, dass zahlreiche Unternehmensberatungen hohe Investitionen in computerbasierte Wissensmanagementsysteme getätigt haben, mit dem Ziel individuelle Erfahrungen und Wissen aus Beratungsprojekten in elektronischen Wissensartefakten (wie z.B. Projektberichte, Modelle, Daten) festzuhalten und unternehmensweit in kodifizierter Form für die Lösung neuer Klientenprobleme zu nutzen. Vor diesem Hintergrund präsentiert der Beitrag die Ergebnisse einer empirischen Studie zur Rolle computerbasierter Wissensmanagementsysteme in Beratungsunternehmen und leitet entsprechende Handlungsempfehlungen ab.
Branchenthema
Gewusst wie: Beratungserfolg steigern
von Michael Schomisch, Klaus Wildhirt
Wissensmanagement muss den Gesetzen und Rahmenbedingungen der Beratungsbranche Rechnung tragen. Bedeutende Merkmale bilden die hohe Wissensintensität, Immaterialität und Klienteninteraktion sowie die Dynamik des Beratungsfelds. Eine zentrale Herausforderung bildet dabei die Nachfrage nach Konzepten, die eine innovative Problemlösung bieten und auf die spezifische Klientensituation abgestimmt sind. Sie sollen zudem den Erfolg auf Basis vergangener Projekterfahrung garantieren. Dieses Beratungsparadoxon spiegelt sich im Trade-off zwischen kostengünstigen, standardisierten Methoden und kreativen, individuellen Lösungsansätzen wider.
Architektur
Dortmunder Stadtwerke setzen auf Business Intelligence
von Alexander Springer
Die Bedeutung des Wissens als Wettbewerbs- und Produktionsfaktor nimmt im gleichen Maße zu wie die Konfrontation das Wissensmanagements mit stetig größer werdenden organisatorischen, strukturellen und prozessualen Herausforderungen. Eine unternehmensweite Business Intelligence-Architektur verlagert den Blickwinkel von Einzellösungen hin zur Unterstützung komplexer Wissensmanagement-Prozesse und schafft damit die technologische Basis für eine optimale Verwertung der Wissensressourcen der Organisation. Die Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21) haben ihr Wissensmanagement durch den Einsatz der integrierten Planungs- und Controllinglösung infoplan der prevero AG neu gestaltet und konnten damit nicht nur eine wesentliche Effiziensteigerung bei ihren Planungsprozessen erreichen, sondern auch eine integrierte und systemübergreifende Gesamtsicht des Unternehmens.
Architektur
Die Funktionen von Business Intelligence im Rahmen des Wissensmanagement
von Yücel Yilmaz
Der Begriff Business Intelligence (BI) taucht im Rahmen von Informations- und Kommunikationssystemen immer häufiger auf. Doch bisher existiert keine allgemein anerkannte Definition für BI. Aber welche BI-Werkzeuge, -Methoden und -Konzepte gibt es konkret? Welche Rolle spielen Data Warehouses und Data Marts, Mining-Methoden, Online Analytical Processing (OLAP) und Informationslogistik? Und welche Bedeutung haben diese Tools für das Wissensmanagement?
Wissenswertes
Termine
Fachveranstaltungen für Wissensmanager
Buchvorstellungen
Kolumne
Die Qual der Wahl, oder warum Esel sterben
von Gabriele Vollmar
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