Das volle Wissens- und Innovationspotenzial entfalten
Steigende Produktkomplexität, immer
differenziertere Kundenwünsche und ein verschärfter Preiskampf im
internationalen Wettbewerb stellen hohe Ansprüche an die Wertschöpfungskette
eines Unternehmens. Ein erheblicher Teil des Marktpotenzials wird bereits in
den frühen Phasen der Produktentstehung durch die Qualität der dortigen
Informations- und Wissensflüsse bestimmt: In den für Forschung und
Entwicklung zuständigen Abteilungen wird zum einen das aus der Grundlagenforschung
bereitgestellte Wissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen transformiert,
zum anderen entsteht während des Entwicklungsprozesses selbst ständig
neues Erfahrungswissen, das in parallel laufenden und zukünftigen Projekten
von großem Nutzen sein kann.
Forschung und Entwicklung findet vor allem in abteilungsübergreifender
Teamarbeit statt. Durch das frühzeitige Zusammenführen von Experten
aus den beteiligten Fachabteilungen können Kosten- und Zeitvorteile realisiert
werden, welche angesichts des Markt- und Innovationsdrucks die Zukunftsfähigkeit
eines Unternehmens maßgeblich beeinflussen. Wesentliche Aufgabe eines
auf die Produktivitätssteigerung der Informations- und Wissensflüsse
ausgerichteten Wissensmanagements im F&E-Bereich ist daher die Bereitstellung
von geeigneten Methoden und Instrumenten, um den Aufbau, das Vorhalten, die
Archivierung und vor allem den Austausch von Wissen in kooperativen Arbeitsorganisationsformen
wirkungsvoll zu unterstützen. Dabei ist es sinnvoll, neben einem zentralen
organisationalen Wissensmanagement ein dezentrales kooperatives Wissensmanagement
(z.B. in Form von Communities) innerhalb und zwischen F&E-Teams zu etablieren.
Ein erster Schritt ist hierbei stets, die relevanten Wissensträger zu
identifizieren und deren Kernkompetenzen strukturiert abzubilden. Nur so wird
es möglich, das im F&E-Prozess entstandene Wissen umfassend zu dokumentieren
und davon ausgehend eine Wissensdatenbank zu erarbeiten, die Prozesskette als
Ganzes darzustellen und die darin enthaltenen Zusammenhänge zu erkennen,
vorhandene Wissensdefizite aufzudecken und Schwachstellen zu beheben. Diese
Kompetenzstruktur ermöglicht es, alle am Innovationsprozess beteiligten
Mitarbeitern mit dem benötigten Wissen zu versorgen und einen kontinuierlichen
Lern- und Verbesserungskreislauf in Gang zu setzen – das gilt für
den internen Wissenstransfer ebenso wie für den Wissensaustausch mit externen
Forschungspartnern und Zulieferern.
Erst wenn man auf diese Weise einen intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch
über die Schnittstellen der Prozesskette Forschung – Entwicklung
– Produktion hinweg sicherstellt, sind schnelle Innovationen und Produktverbesserungen
möglich. Damit entscheidet ein konsequent betriebenes Wissensmanagement
in Forschung und Entwicklung letztlich darüber, ob es einem Unternehmen
gelingt, dem Innovationsdruck standzuhalten, flexibel auf Kundenwünsche
zu reagieren und im internationalen Wettbewerb für den erfolgsentscheidenden
Vorsprung vor der Konkurrenz zu sorgen. Welche Maßnahmen und Instrumente
des Wissensmanagements dazu beitragen, das volle Wissens- und Innovationspotenzial
eines Unternehmens zu entfalten, erfahren Sie in unserem aktuellen Titelthema.
Zum Schluss noch ein paar Worte in eigener Sache: Mit diesem Heft feiert wissensmanagement
– Das Magazin für Führungskräfte sein fünfjähriges
Bestehen und Sie halten gerade die nunmehr 30. Ausgabe in Ihren Händen.
Ein doppeltes Jubiläum, das uns mit Freude und auch ein wenig Stolz erfüllt.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern,
aber auch bei all unseren engagierten Autorinnen und Autoren für Ihre Treue
und den immer wieder intensiven Erfahrungs- und Meinungsaustausch in diesen
fünf Jahren der Pionierarbeit in Sachen Wissensmanagement bedanken. Für
die Zukunft freue ich mich auch weiterhin auf zahlreiche Anregungen und einen
konstruktiven Dialog mit Ihnen, denn „das Entscheidende am Wissen ist,
dass man es beherzigt und anwendet“ (Konfuzius).
Ihr
Oliver Lehnert
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