Ein Wegbereiter des Wissensmanagements
Was wollen Unternehmen eigentlich mit der Einführung von Wissensmanagement
erreichen? So vielfältig unsere Unternehmenslandschaft, so unterschiedlich
können die mit einer Wissensmanagement-Initiative verbundenen Zielvorstellungen
sein. Dies schlägt sich auch in den einschlägigen Studien zum praktischen
Einsatz von Wissensmanagement nieder: Mal rangieren hier eher abgehobene, abstrakte
Ziele wie eine optimierte Wissensweitergabe oder eine erhöhte Innovationsfähigkeit
an erster Stelle, ein anderes Mal ganz handfeste, konkrete Ziele wie eine verbesserte
Produktqualität.
Ist man sich über die Ziele erst einmal im Klaren, lautet die nächste,
oft schwierigste Frage: Wo anfangen? Zahlreiche Unternehmen verfügen bereits
über ein etabliertes Qualitätsmanagement-System – und damit
über einen wunderbaren Ansatzpunkt für ein Wissensmanagement-Projekt.
Denn hier sind die Geschäftsprozesse bereits klar definiert, an denen die
Maßnahmen des Wissensmanagements dann ansetzen können. Wie sich vom
Basislager Qualitätsmanagement aus neue Wissensgipfel erklimmen lassen,
erfahren Sie im Artikel von Gabriele Vollmar (S. 26). Dabei macht eine solche
pragmatische Vorgehensweise das oft schwer fassbare Thema Wissensmanagement
greifbar und damit leichter vermittel- und umsetzbar.
Die Gemeinsamkeiten der beiden Disziplinen Wissens- und Qualitätsmanagement
liegen also auf der Hand: In jedem Geschäftsablauf wird Wissen benötigt
und verarbeitet, parallel dazu werden immer auch qualitätsrelevante Arbeitsschritte
ausgeführt. Allerdings wirkt Wissensmanagement, ebenso wie das Qualitätsmanagement,
nicht unmittelbar wertschöpfend, liefert aber zweifelsohne einen wesentlichen
Beitrag zur Gestaltung effizienter Produktionsprozesse.
Aber reicht dieses Fundament wirklich aus, um im Unternehmen erfolgreiches
Wissensmanagement zu etablieren? Die Möglichkeiten und Grenzen zeigt Peter
Schütt auf (S. 29): Prozessorientiertes Wissensmanagement kann immer nur
ein Baustein eines umfassenden Wissensmanagement-Konzepts sein, das neben den
Geschäftsprozessen auch die Dimensionen Organisation und Kultur sowie Informationstechnologie
berücksichtigt.
„Start small, think big“, das empfiehlt auch Dr. Boris Petkoff
(S. 22). Für ihn sind die bewährten Methoden aus der Qualitätssicherung
ein wichtiger Wegbereiter in Richtung echtes Wissensmanagement – nicht
mehr, aber auch nicht weniger. Will heißen: Die Qualitätsmanager
haben mit transparenten, optimierten Geschäftsprozessen eine gute und solide
Ausgangsbasis für das Wissensmanagement geschaffen, diesbezüglich
braucht man das Rad also kein zweites Mal zu erfinden. Echtes Wissensmanagement
bedeutet aber weitaus mehr und setzt vor allen Dingen einen Bezugsrahmen voraus,
der die komplexen Wechselwirkungen eines Unternehmens mit seiner Umwelt einbezieht.
Aus diesem Grund plädiert Dr. Petkoff für ein kybernetisch ausgerichtetes
Wissensmanagement – in zum Teil recht provokanten Statements, die bei
dem einen vielleicht auf entrüstete Ablehnung, bei dem anderen wiederum
auf zustimmendes Kopfnicken stoßen werden.
Aber lesen Sie selbst und schöpfen Sie aus unserem aktuellen Titelthema
nützliche Anregungen für das Wissensmanagement in Ihrem Unternehmen
– ob es nun um ein erstes kleines Projekt oder aber um den großen
Wurf gehen mag. Denn die beruhigende Schlussfolgerung lautet: Einen richtigen
oder falschen Weg kann es bei unserem spannenden Thema ja eigentlich gar nicht
geben – schließlich hängen die gewählten Maßnahmen
wie gesagt immer von den gesetzten Zielen ab.
Ihr
Oliver Lehnert
|