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Die
Kluft zwischen Wissenden und Unwissenden wächst
"Software auf dem Prüfstand" so lautet unser
Schwerpunkt. Und damit greifen wir ein kritisches Thema auf: Kann
ich allein durch Kauf und Einsatz eines bestimmten Softwarepaketes
in meinem Unternehmen Wissensmanagement einführen? Nein! Genauso
gut könnte ich einen Karton Kugelschreiber in den nächsten
Kindergarten tragen also die "Tools" bereitstellen
und dann erwarten, dort am nächsten Tage fertige Aufsätze
vorzufinden.
Allerdings
verdient auch der Umkehrschluss Beachtung: Ohne Schreibgerät,
also ohne geeignetes Werkzeug, steht selbst ein Günter Grass
auf verlorenem Posten. Darum zeigen wir Ihnen in unserem Magazin,
welche Software-Lösungen als Werkzeug für Wissensmanagement
bereits am Markt existieren und was Sie Ihnen bringen.
In unserem
Titelthema ab Seite 14 finden Sie eine ausgewogene Bandbreite solcher
Werkzeuge. Wir stellen Ihnen nicht nur klassische Knowledge-Management-Systeme
in einer Marktübersicht (Seite 24) vor, sondern auch EAI-Systeme
und den neuen Daten-Standard XML. Warum? Weil für einen besseren
Austausch von Informationen im Unternehmen bereits die bessere Integration
von verschiedenen bestehenden Daten-Inseln hilfreich sein kann.
Darüber hinaus beschreiben Experten, wie Sie mit Collaboration-Software
oder einer Portal-Lösung neue Arbeitsprozesse im Unternehmen
unterstützen.
Neben der Technik
kommt wie üblich auch der Fokus auf die Mitarbeiter
nicht zu kurz. Unternehmensberater Hans-Werner Bormann erläutert
Aspekte der Unternehmenskultur und wie der Organisationswandel trotz
Widerstände gemanagt werden kann.
Was erleben
wir heute in den Unternehmen und was ist anders als früher?
Es war einmal, dass die Chefs alles wussten und die Mitarbeiter
nichts. Heute wissen die Mitarbeiter im Faktenbereich fast alles
und die Vorgesetzten schaffen es manchmal gerade noch, den groben
Überblick zu behalten. Manager müssen lernen, nicht mehr
durch ihren statischen Wissensvorsprung Sachbearbeiter anzuleiten.
Stattdessen müssen sie heute "Wissensarbeiter" motivieren:
strategisch und kreativ.
Auch innerhalb
gleicher Hierarchieebenen sind Verschiebungen in der Arbeitsweise
festzustellen. Den Bibliothekar, der mit Karteikarten Bücher
ordnet und verwaltet, gibt es noch. Demgegenüber: Der Bibliothekar,
der sich mit seiner Ausbildung und seinem Beruf neue Dimensionen
erschließt; der Verwalter multimedial verfügbaren Wissens;
der Spezialist, der im Internet oder in den vielen Online-Datenbanken
nicht ziellos surft und sich vom Zufall der Windrichtungen treiben
lässt, sondern der beim Surfen selber seine Segel so setzt,
dass er präzise am geplanten Ziel ankommt. Zwei Berufstätige
also, die trotz gleicher Ausbildung in ihrem Umgang mit Wissen in
völlig unterschiedlichen Welten leben.
Dramatisch
wird das Ungleichgewicht zwischen Wissenden und Unwissenden im Lichte
der PISA-Studie. Abgesehen von dem allgemein schlechten Abschneiden
deutscher Schüler ist dort die große Varianz im Leseverständnis
der deutschen Jugend aufgefallen. Während deutsche Spitzenschüler
sich im internationalen Vergleich behaupten können, gibt es
gleichzeitig einen erschreckend großen Anteil mit äußerst
mangelhaftem Leseverständnis. Während die Erstgenannten
in unserer Wissensgesellschaft beruflich sicher Fuß fassen
können, stellt sich bei den extrem Leseschwachen die Frage
nach deren Perspektiven. Hier sind die im Umgang mit Wissen fähigen
Köpfe, dort die Nicht-Wissenden. Die Herausforderung an Politik,
Ausbilder und insbesondere die Eltern ist es, jedem einzelnen Heranwachsenden
die Möglichkeiten mit auf den Weg zu geben, sich Wissen zu
erarbeiten und umzusetzen.
Ihnen allen
wünsche ich viel Spaß beim Erarbeiten des in dieses Magazin
hineingelegten Wissens.
Ihr
Dr.-Ing. Wolfgang
Sturz
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