Unternehmenslenker bewerten steigende E-Mail-Flut durchweg positiv
Unternehmer in Deutschland verbringen beruflich über zwei Stunden täglich persönlich im Internet, beantworten E-Mails durchweg selbst und bezeichnen diese Zeit als sinnvoll verbracht. In der Nutzung von E-Mails und Internet sehen sie fast ausschließlich Vorteile für ihren Kommunikations- und Führungsstil: Von einer Überlastung oder der so genannten E-Mail-Flut kann keine Rede sein. Dies ist das durchaus überraschende Ergebnis des TEC-Mittelstands-Surveys 2008. Mit der Befragung zielte TEC darauf ab, das Online-Verhalten auf der Chefetage transparent zu machen und Auswirkungen auf das Führungs- und Managementverhalten der Geschäftsführer zu untersuchen. „Offenbar ist das Internet voll auf den Chefetagen angekommen“, erklärte Dr. Wolfgang Hartmann, CEO von TEC International, dem mit rund 14.000 CEOs weltweit größten Unternehmer-Netzwerk. „Das Bild vom mittelständischen Patriarchen an der Unternehmensspitze, der PC und Laptop ablehnt und alles seine Sekretärin erledigen lässt, müssen wir endgültig zu den Akten legen“.
Die befragten Unternehmer erhalten durchschnittlich zwar nur 30 persönlich adressierte E-Mails pro Tag, sind dank eines eigenen Laptops und moderner Medien (Handy, Blackberry) aber auch außerhalb des Büros zu erreichen und sitzen rund 120 Minuten täglich vor dem Computer. Rund 70 Prozent der befragten Unternehmer betrachten diese Zeit als sinnvoll verbrachten Teil der Arbeitszeit, mehr als die Hälfte bezeichnet sich selbst als Internet-affin. So gut wie kein einziger Unternehmer fühlt sich frustriert, wenn er am Computer arbeitet, die meisten bezeichnen ihren Gefühlszustand hingegen als geschäftsmäßig. Auf einer Skala von zehn abgefragten Gefühlszuständen wurden mehrheitlich die positiven Gefühle betont. Als besonders vorteilhaft wird bewertet, dass zu wichtigen Fragen schneller als früher die Meinung der Führungskräfte im Unternehmen eingeholt werden kann (55 Prozent). Den höheren und schnelleren Informationsfluss empfinden sie nicht als Druck.
TEC International selber bewertet die Ergebnisse grundsätzlich positiv, sieht jedoch auch ein gewisses unkritisches Verhalten: „Die gewaltigen Folgen der Internet-Revolution für die Management- und Informationsprozesse in mittelständischen Unternehmen sind erst in Ansätzen erkannt“, erklärte Dr. Wolfang Hartmann bei der Vorlage der Studie: „Offenbar bietet die Online-Kommunikation dem Unternehmer einen einfachen Weg der früher vernachlässigten Einbindung von Mitarbeitern, vor allem von Führungskräften, in wichtige Entscheidungen. Ob die Mitarbeiter ihrerseits sich durch den Chef besser informiert fühlen, ist jedoch eine offene Frage und bleibt weiteren Studien vorbehalten“. Hartmann verwies darauf, dass sich die wachsende Informationsdichte bei Mitarbeiterbefragungen zumeist nicht in höherer Zufriedenheit niederschlägt. Auch die Frage, ob eine steigende Anzahl von Management-Informationen über das Internet alleine für verbesserte Entscheidungen ausreiche, sei damit noch nicht beantwortet.
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