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Start : Online Magazin : Archiv : 2004 : Ausgabe Januar/Februar 2004 : Flexibles Lernen im Selbstlernzentrum bietet übertragbare Lösungen

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Flexibles Lernen im Selbstlernzentrum bietet übertragbare Lösungen

 

Von Dr. Marita Alami und Sabine Hager

Inhaltsübersicht:

Für Unternehmen und Organisationen mit Interesse am E-Learning stellt sich schnell die Frage einer praxisnahen Umsetzung. Die verfügbaren Lernplattformen sind inzwischen technisch weit entwickelt, flexibel anpassbar und von den Kosten her nicht mehr nur für Großunternehmen interessant. Eine größere Rolle spielen deshalb Akzeptanz, angestrebter Nutzen der gewünschten Lösung und der menschliche Aspekt des Lernens. Das IT-Kompetenzzentrum forumF in Köln stellt E-Learning in den sozialen Kontext und macht das Selbstlernzentrum zur Basis des erfolgreichen, selbstgesteuerten Lernens am Computer.

E-Learning zur betrieblichen Weiterbildung bietet Unternehmen viele Vorteile. Das Lernen wird individualisiert, orts- und zeitunabhängig und findet im persönlichen Tempo der Lernenden statt. Punktgenaue Lerninhalte können speziell auf das Unternehmen zugeschnitten und zeitnah bereitgestellt werden. Darüber hinaus bieten Online-Coaches und -Tutoren individuelle Betreuung und Feedback per E-Mail. Unterm Strich ist diese Form der Qualifizierung oft kostengünstiger, da keine Reisekosten anfallen und sich die Ausfallzeiten der Beschäftigten reduzieren. Zudem wird die Bildungskontrolle optimiert, die Personalentwicklung erfolgt gezielter und betriebliche Prozesse werden weniger gestört. Schöne neue Welt des E-Learnings... Tatsächlich?

Das Problem mit der Akzeptanz

Wäre da nicht das Problem mit der Akzeptanz. Aktuelle Studien zeigen, dass nur etwa 10 Prozent der Beschäftigten die E-Learning-Angebote ihrer Unternehmen nutzen. Die Gründe sind vielfältig: E-Learning erfordert ein hohes Maß an Selbstlernkompetenz in Form von Selbstorganisation und Selbstmotivation. Diese sind zwar in der Regel vorhanden, bedürfen aber einer kontinuierlichen Pflege und Anleitung. Technikgestütztes Lernen stößt bei vielen Menschen immer noch auf Abneigung und wird als unpersönlich und fremdbestimmt empfunden. Der soziale Austausch mit anderen Teilnehmern, wie er in Präsenzseminaren stattfindet, fehlt oder ist nur virtuell möglich. In der Folge fühlen sich die Beschäftigten nicht wirklich von E-Learning-Angeboten angesprochen. Elektronische Lernplattformen und Lernangebote bringen damit nicht den versprochenen Erfolg für das Unternehmen und entpuppen sich im schlimmsten Fall als Investitionsruine.

Erfolgsaktoren

Natürlich lässt sich immer Einiges optimieren, um die Akzeptanz für die neuen Lernangebote zu verbessern. Nutzerfreundlichkeit und Zielgruppengenauigkeit der eingesetzten Lernsysteme wollen geprüft und die Motivation der Lernenden durch internes Marketing und Anreizsysteme gefördert werden. Auch sollte geklärt sein, welchen Stellenwert Lernen und Qualifizierung innerhalb des Unternehmens einnehmen und welche Zielvorstellungen mit der Implementierung der elektronischen Bildungsangebote verbunden sind. Hier können Organisationsentwicklungsprozesse hilfreich sein und den Weg ebnen zu einer verbesserten unternehmenseigenen Lernkultur – Stichwort: Lernende Organisation.

Eine Lösung: Blended Learning

Bevor man aber das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen muss, kennt die Branche eine andere Antwort auf das Akzeptanz-Problem: Blended Learning heißt das Zauberwort und meint alternierende Lernformen, bei denen sich reine E-Learning-Sequenzen mit Präsenzphasen abwechseln. Sicher ein guter Weg, um die Kluft zwischen Mensch und Technik mit direkten persönlichen Kontakten zu überwinden und durch gesetzte Termine die Lernmotivation zu fördern. Dabei werden jedoch – wie schon beim althergebrachten Präsenzlernen – Lernprozesse gleichgeschaltet und viele Flexibilitätsvorteile des E-Learnings aufgegeben, denn das Blended-Learning-Konzept setzt voraus, dass eine Mindestanzahl von Lernenden in einem vorgegebenen Zeitraum dieselben Lernziele erreicht.

Akzeptanz plus Flexibilität: das Selbstlernzentrum

Wenn es also darum geht, unter Beibehalten der Flexibilitätsvorteile des E-Learnings dem EDV-gestützen Lernen zur Akzeptanz und damit zum Erfolg zu verhelfen, müssen Lösungen gefunden werden, welche die Neuen Medien nach vorne denken. Gute Erfahrungen hat in dieser Hinsicht das IT-Kompetenzzentrum forumF in Köln mit seinem Selbstlernzentrum gesammelt, denn es bietet elektronisches Lernen im sozialen Kontext und bleibt dabei genauso flexibel wie das Online-Lernen am Arbeitsplatz oder am heimischen PC.

Das Angebot reicht von der Vermittlung von EDV-Anwendungskenntnissen über betriebswirtschaftliche Weiterbildung bis zu IT-Fachwissen und Qualifizierungen in Modulform. Dabei ist es gelungen, auch technikferne und lernungeübte Zielgruppen mit dem Medium E-Learning vertraut zu machen und in das selbstständige Lernen einzuführen. Gelernt wird an 40 Multimedia-PCs. Den Unterricht übernimmt meist der Computer mit ausgesuchter Lernsoftware. Aber auch andere Formen des Selbstlernens, zum Beispiel mit Arbeitsaufträgen und Lehrbriefen, sind ergänzend möglich. Die Vorteile des Selbstlernzentrums liegen in den passgenau zugeschnittenen Lerninhalten, der freien Wahl der Lernzeiten und der individualisierten Lerngeschwindigkeit. Hier greifen die Vorteile des elektronischen Lernens. Hinzu kommt die persönliche Präsenz von Lern-Tutoren, welche die Lernenden unterstützen, die gesetzten Lernziele zu erreichen. Dabei geht es vor allem darum, Hemmschwellen abzubauen und tragfähige menschliche Brücken zwischen den E-Learning-Angeboten und den Lernenden zu installieren. Ein Phänomen, das sich durch unterschiedliche Bildungs- und Gesellschaftsgruppen zieht.

Die Resonanz der Teilnehmer auf diese Form des E-Learnings ist durchweg positiv. Die Flexibilität des Lernens spielt dabei für viele eine herausragende Rolle. Darüber hinaus bleiben die Lernenden nicht allein, sondern finden persönliche Ansprache, Begleitung und Motivation und erreichen die gesteckten Lernziele. Damit bietet das Selbstlernzentrum eine alternative Lösung für das E-Learning-Akzeptanz-Problem, ohne wesentliche Flexibilitätsvorteile aufzugeben.

Selbstlernzentren in Unternehmen

Es ist ja nicht so, dass es in Unternehmen keine Selbstlernzentren gibt, aber häufig sind sie verwaist und werden wieder abgebaut. Was ist also das Neue am Konzept des forumF? Es ist der Fokus auf den direkten sozialen Kontext, in dem E-Learning erfolgreich praktiziert wird, denn es braucht eine menschliche Komponente, um das technikgestützte Lernen zum Erfolg zu führen. Sie sollte aber so gestaltet sein, dass sie die Errungenschaften der Neuen Medien nicht ad absurdum führt und kann völlig getrennt vom fachlichen Online-Tutoring organisiert sein.

Notwendig ist also ein persönliches Lern-Tutoring, das sich ohne großen Aufwand den individuellen Lern-Arrangements anpasst. Dies ist der soziale Kern des Selbstlernzentrums, welcher sich hervorragend in die betriebliche Praxis integrieren lässt, auch wenn auf ein betriebliches Selbstlernzentrum als Ort des Lernens verzichtet wird. Ein Lern-Tutoring im Unternehmen einzuführen, ist eine vergleichsweise kleine Maßnahme und dennoch der Schlüssel zum Erfolg bestehender E-Learning-Angebote unter Wahrung der Individualität und Flexibilität des Lernens.

Fazit

E-Learning ist eine neue Form des Lernens und sie wird nicht in der Schule gelehrt. E-Learning bietet viele Vorteile sowohl für die Lernenden als auch für die Unternehmen. Wenn es gelingt, die Nachteile abzubauen, ohne die Vorteile aufzugeben, dann ist der Fortschritt erreicht.


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