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Start : Online Magazin : Archiv : 2002 : Ausgabe Dezember : Im Zuge der Veränderung

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Im Zuge der Veränderung

 

Von Yvonne Nagel

Inhaltsübersicht:

Umstrukturierungen, Fusionen und veränderte Marktbedingungen zwingen Unternehmen zum Umdenken: Wettbewerbsfähig bleibt nur, wer seine Mitarbeiter motivieren, Teamarbeit und Projektorganisation zielgerichtet nutzen und eine ganz neue Unternehmenskultur schaffen kann. Nach der Neuorganisation der DB Regio AG Bayern hieß es auch in München: Höchste Eisenbahn für ein Management der Veränderungen.

Vor dem Hintergrund zunehmenden Wettbewerbs im ÖPNV-Markt beschloss die DB Regio AG Anfang 2001, sich in Bayern neu zu organisieren und die Verantwortung für den Nahverkehr in den Regionen zu bündeln. Alle Bahn- und Busaktivitäten wurden unter dem Dach der DB Regio Bayern zusammengeführt. „Wir wollten die Kundenzufriedenheit und damit gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit durch Verantwortung und Kompetenz vor Ort stärken“, so Klaus-Dieter Josel, Vorsitzender der Regionalleitung. „Gleichzeitig standen wir vor dem Problem der Balance zwischen regionaler Eigenständigkeit und landesweiter Integration.“


Sanieren, leisten, wachsen

Eine der ersten Maßnahmen betraf den so genannten Overhead, den Verwaltungsapparat. Dieser musste dringend abgespeckt und handlungsfähiger werden. Gleichzeitig galt es, die Arbeitsprozesse im Produktionsbereich effektiver zu gestalten. Außerdem wurde das Thema Pünktlichkeit zur Chefsache erklärt – für die Bahn-Kunden das oberste Qualitätskriterium der angebotenen Leistungen. Attraktive Angebote, grenzüberschreitende Aktivitäten nach Österreich und Tschechien sowie Engagement in Stadtverkehren kennzeichnen das Wachstum der DB Regio Bayern.

„Unabhängig von allen Strategien und Plänen – im Mittelpunkt unseres Erfolges“, weiß Josel heute, „steht immer jeder einzelne Mitarbeiter.“ Denn für die Bahn-Mitarbeiter waren die bevorstehenden Veränderungen mit hohen Anforderungen verbunden, zumal bereits seit der Bahnreform 1994 eine Umstrukturierung im Gange war, die zunächst nur organisatorisch vollzogen wurde. Entsprechend gering war die Akzeptanz. Die Folge: Probleme, Unstimmigkeiten und enorme Reibungsverluste. Es fehlte vor allem an Klarheit: Angst vor Versetzungen und dem Umfang des geplanten Personalabbaus. Auch Unsicherheiten bei neuen Entscheidungskompetenzen und Zuständigkeiten wirkten wenig motivierend. Hinzu kam die Befürchtung, dass nicht wirklich etwas Neues entstehen würde.

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Ein Team ist mehr als eine Gruppe

Die DB Regio Bayern wollte die neue Struktur möglichst schnell in den Alltag integrieren und vor allem Akzeptanz bei Mitarbeitern und Führungskräften schaffen – unter den neuen Umständen eine Herausforderung. Um die strategischen Ziele nicht zu verfehlen, entschloss man sich, den Veränderungsprozess professionell begleiten zu lassen. Als externe Beratungsfirma wurde osterhold, ellebracht, lenz, schäfer + partner – das eurosysteam aus Heidelberg engagiert. Die erfahrenen Berater erkannten schnell, dass nur ein kompetentes Team den Erfolg bringen konnte. Denn es genügt nicht, neue Organisationsformen einzuführen, wenn danach ansonsten alles beim Alten bleibt. Es braucht neue Formen der Zusammenarbeit und ein strategisches Teamverständnis. Beides kann nur gemeinsam erarbeitet und entwickelt werden. Das bedeutet ein systematisches Miteinander mit übereinstimmenden Werten, konkreten Zielen und konstruktiver Kommunikation. Und es setzt auch die Bereitschaft zur Veränderung auf Führungsebene voraus.

Das modulare Vorgehen des eurosysteams unterstreicht die Prozesshaftigkeit jedes Change Managements. Denn Projektarbeit ist immer auch ein Lernprozess. Im ersten Schritt halfen Interviews mit ca. 30 Schlüsselpersonen (Mitarbeiter, Führungskräfte aus allen Hierarchieebenen und Bereichen), die Stimmung zu sondieren. In engem Kontakt mit der Regionalleitung wurden Teams entwickelt. In Workshops definierten die Teilnehmer, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen kann. Methoden für Konfliktmanagement und Entscheidungsfindung, Kooperationen und der Umgang mit Hierarchie standen ebenfalls auf dem Lehrplan.

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Kreativität und Vertrauen schaffen

Nun ging es darum, den Kreis der Beteiligten zu erweitern. Denn ein Change Management ist um so erfolgreicher, je vollständiger das ganze Unternehmen am Veränderungsprozess beteiligt ist. Die Führungskräfte der zweiten Hierarchieebene wurden eingebunden, in Vollversammlungen informiert und für den Veränderungsprozess gewonnen. „Ebenso wichtig“„ erinnert sich Klaus-Dieter Josel, „waren die bisher 28 Mitarbeiterversammlungen, die wir regelmäßig durch Abteilungs- und Teambesprechungen ergänzt haben.“ Hier erarbeiteten die Teilnehmer gemeinsam die Handlungsfelder für die neue Organisation.

Die Mitarbeiter waren von Anfang an dabei, es gab deshalb keine Unklarheiten mehr im Hinblick auf Kompetenzverteilung und Entscheidungswege. Alle Beteiligten wurden ausführlich über die strategischen Ziele der DB Regio Bayern informiert. Gleichzeitig konnten die Mitarbeiter in diesen Versammlungen ihre Ideen in den Prozess einbringen und Verbesserungsvorschläge machen. Eine der konkreten Maßnahmen, die sich aus diesem Vorgehen ableitete, war beispielsweise 3F, das „Feedback für Führungskräfte“: Führungskräfte stellen sich der Kritik ihrer Mitarbeiter und lassen sich an ihren eigenen Führungsgrundsätzen messen.

„Die aktive Beteiligung aller Mitarbeiter ist wichtig“, erklärt Dr. Gerhard Lenz vom eurosysteam. „Viele Veränderungsprozesse scheitern, weil sie nur auf Einzelaspekte abzielen und wesentliche Zusammenhänge vernachlässigen. Die Mitarbeiter sind demotiviert, der angestrebte Erfolg bleibt aus.“ Veränderungsmanagement bezieht sich immer auf das Unternehmen als Ganzes. Im Mittelpunkt steht die aktive Beteiligung aller Mitarbeiter und Unternehmenseinheiten. So wurden auch wichtige Veränderungsprojekte im Team abgeleitet. Eines davon: „Verkürzung der Entscheidungswege“. Die Personalreferenten vor Ort erhielten mehr Befugnisse, wodurch deutlich schnellere Entscheidungen und Reaktionen möglich wurden. Die im Personalmanagement erprobte Vorgehensweise setzte man später auch in den Bereichen Betrieb, Marketing und Finanzen um. Ein anderes Veränderungsprojekt heißt „Leistungsanreize und Entlohnung“. Ein erster Umsetzungserfolg: Die variable, leistungsbezogene Gehaltszulage für Regio-Team-Leiter.

Mitarbeiterversammlung
Bei der DB Regio Bayern waren die Mitarbeiter von Anfang an in den Change-Management-Prozess eingebunden: In Mitarbeiterversammlungen und ergänzenden Abteilungs- und Teambesprechungen wurden gemeinsam die Handlungsfelder für die neue Organisation erarbeitet.

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Qualifikation, Kommunikation, Dokumentation

Anschließende Schulungen sämtlicher Projektleiter und -mitglieder im Projektmanagement stellten eine einheitliche Vorgehensweise aller Beteiligten sicher. Das eurosysteam qualifizierte vor allem auch die Führungskräfte des mittleren Managements – als Coach, als Team- und Projektleiter sowie als Veränderungsmanager. Speziell geschulte Moderatoren aus den Reihen des Personalmanagements sind heute in der Lage, die Mitarbeiterversammlungen selbst zu konzipieren, durchzuführen und zu leiten. „Dies hat den Vorteil“, erklärt Klaus-Dieter Josel, „dass die Moderatoren die internen Zusammenhänge kennen und problemlos von Mitarbeitern und Führungskräften akzeptiert werden. Außerdem befähigt uns der firmeninterne Kompetenzpool, den Prozess auch ohne das Beratungsunternehmen weiter voran zu treiben.“ Damit bringt er eines der Prinzipien des eurosysteams auf den Punkt: Hilfe zur Selbsthilfe prägte den gesamten Prozess. An keiner Stelle wurde etwas von oben aufgedrückt, alle Maßnahmen und Entscheidungen wurden im Team, also aus dem Unternehmen heraus, getroffen.

Jeder Veränderungsmanagement-Prozess kann nur funktionieren, wenn Informationen erfolgreich transportiert werden, wenn also die Kommunikation nach innen und außen stimmt. Zusätzlich zum bestehenden Organ „BahnZeit“ entstanden bei der DB Regio Bayern neue Informationskanäle:

  • individuelle Newsletter der einzelnen Verkehrsbetriebe
  • Newsletter für die Führungskräfte
  • Mitarbeiterbriefe
  • Imagebroschüren
  • Informationsangebote im Intranet

Und zu guter Letzt: der Veränderungsleitfaden, die Dokumentation des gesamten Prozesses. Ein solches Handbuch ist von nicht unwesentlicher Bedeutung, weiß Dr. Gerhard Lenz eurosysteam: „Mangelnde Dokumentation der geleisteten Arbeit ist ein häufiger Fehler. Vor allem zu Beginn neuer Projekte wird viel diskutiert, es entwickeln sich gute Ideen, doch kaum etwas wird schriftlich fixiert. Einige Zeit später ist möglicherweise gutes Potenzial wieder verloren. Außerdem können im Fall DB Regio auch andere Regionen von diesem Leitfaden profitieren.“

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Erfolg motiviert

In nur einem Jahr wurde erreicht, dass alle Beteiligten den gesamten Veränderungsprozess akzeptieren. Eine offene Unternehmenskultur wird gelebt. Die Mitarbeiter bestätigen einen deutlich besseren Informationsfluss, die Führungskräfte seien besser erreichbar und spürbar geschult. Handlungs- und Entscheidungsfreiräume innerhalb einer schlanken Organisation schaffen kürzere Bearbeitungswege und optimierte Arbeitsabläufe. Die Zusammenarbeit nach innen und außen hat sich nachhaltig verbessert. Die Effekte: zufriedenere Kunden, reduzierte Kosten und ein hohes Verantwortungsbewusstsein bei allen Mitarbeitern. Doch bei der DB Regio Bayern will man sich keinesfalls auf dem Erreichten ausruhen. Führungsverantwortung und Mitarbeiterbeteiligung sollen noch weiter gestärkt werden. „Der Wandel geht weiter“, resümiert Josel zufrieden „und das Wir-Gefühl wird weiter wachsen.“

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen, die anderen Mauern“, sagt ein chinesisches Sprichwort. In München waren es Windmühlen. Der einjährige Change-Management-Prozess hat die DB Regio AG Region Bayern ihren Unternehmenszielen einen wesentlichen Schritt näher gebracht und wurde jetzt sogar prämiert: In der Kategorie Mitarbeiterführung erhielt das Team der Regionalleitung für das Management des umfangreichen Veränderungsprozesses nun den BahnAward „Die Besten der Bahn“. Mit diesem Preis würdigt die Bahn besonders herausragende Leistungen. Ein Grund zum Feiern. Und zum Weitermachen.

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