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Start : Online Magazin : Archiv : 2002 : Ausgabe Dezember : Transparenz im Projektgeschäft

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Transparenz im Projektgeschäft als globaler Wettbewerbsfaktor

 

Von Hans-Jürgen Macher

Inhaltsübersicht:

Wie kann vorhandenes und neues Wissen in einem Konzern, der in über zehn Ländern vertreten ist und dessen Mitarbeiter sieben verschiedene Muttersprachen haben, optimal kommuniziert werden? Dieses Problem müssen im Zeichen der zunehmend globalisierten Wirtschaft viele Unternehmen lösen. Denn der Erfolg im internationalen Wettbewerb wird in hohem Maße davon abhängen, wie intensiv das breit gestreute Wissen transparent gemacht und genutzt werden kann. Die französische Thales-IS-Gruppe entschied sich deshalb für ein länderübergreifendes Wissensmanagement-System, das auf einer bereits bewährten Lösung der deutschen Thales IS aufbaut.

Die deutsche Thales Information Systems GmbH hatte sich bereits 1999 für die Entwicklung und Einführung eines Wissensmanagement-Systems entschieden und damit eine Vorreiterposition im internationalen Konzern eingenommen. Das Leistungsangebot des Unternehmens, das bis zum 1.2.2002 als Syseca Gesellschaft für Unternehmensberatung firmierte, reicht von Outsourcing über Professional Services in der IT bis zu klassischer Unternehmensberatung. Die spezielle Zielsetzung bei der Umsetzung des Wissensmanagement-Systems bestand nicht nur darin, transparent zu machen, welches Wissen die auf 12 bundesweite Geschäftsstellen verteilten rund 600 Berater haben, sondern insbesondere den Projekteinsatz der Berater und die Kommunikation zwischen den Beratern durch eine allgemein zugängliche Infrastruktur unabhängig von Ort und Zeit zu verbessern.

Den richtigen Wissensträger für eine Teambesetzung oder für einen punktuellen Wissens- und Erfahrungsaustausch zu finden, wurde bis dato durch unzureichende organisatorische Regeln und eine Vielzahl voneinander unabhängiger Tools noch nicht optimal genutzt. Diese Situation wurde zum Anlass genommen, ein Wissensmanagement-System zunächst für die deutsche Thales IS zu konzipieren. Das Ergebnis, auf der Basis von Lotus Notes realisiert, bietet mit einer Skill-Verwaltung sowie einer Projekt- und Teamdatenbank zur Unterstützung von Communities die besten Voraussetzungen, um überregional die qualifiziertesten Know-how-Träger für Projekte, Arbeitsgruppen oder Expertenkommissionen zu aktivieren. Die Kommunikation untereinander ist über eine mehrschichtige Infrastruktur gewährleistet, die den Beratern den Zugriff über das Internet, vom Home-Office oder offline über Notebook ermöglicht.

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Mit Wissensmanagement europaweit Synergien freisetzen

Vor die gleiche Situation sah sich auch die Zentrale der Thales IS in Paris gestellt. Die Gruppe, die mit Standorten in über 10 Ländern und ca. 5.000 Mitarbeitern in Europa vertreten ist, setzte sich daher das Ziel, auf der Basis des deutschen Wissensmanagement-Systems wichtige Synergien auf der Basis einer optimalen Kooperation freizusetzen. Ein systematisches länderübergreifendes Management des Erfahrungsaustausches war bis dato nicht vorhanden. So mangelte es an Transparenz der unternehmensweiten Kompetenzen und Erfahrungen in Bezug auf internationale Skills, Projekte, Referenzen oder auf bereits vorhandenes Wissen in der Gruppe. Entsprechend leiteten sich die Anforderungen an ein internationales Wissensmanagement an folgenden Leitlinien ab:

  • Welche Kompetenzen sollen länderübergreifend entwickelt werden?
  • Welche Leistungen können durch internationale Projektteams besser vertrieben werden?
  • Welche Leistungsangebote können bei internationalen Kunden platziert werden?
  • Welche Dokumente sind länderübergreifend relevant?

Das internationale Wissensmanagement-Projekt wurde mit der Skill-Verwaltung gestartet und dient der Gruppe heute als Instrument für die nationale und internationale Projektbesetzung und dem Auffinden von auslandserfahrenen Ansprechpartnern. Die Lösung beruht auf zwei Komponenten: Auf den jeweiligen nationalen Datenbanken, die sich auf Notes-Servern vor Ort befinden, erfolgt die Eingabe von Berater-Profilen durch Zuordnung von zentral und national definierten Skills. Die zweite Komponente bildet die internationale Datenbank, in der über einen Agenten automatisch die Profile für international einsetzbare Berater eingepflegt werden. In einem weiteren Schritt wurde eine internationale Referenz-Datenbank aufgebaut, die zentral von Paris aus gesteuert wird. Die Daten dazu werden in regelmäßigen Abständen von den einzelnen Länderorganisationen abgerufen und in der zentralen Datenbank aktualisiert.

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Skill-Verwaltung bei der Thales IS

Der dritte Baustein der internationalen Wissensmanagement-Lösung ist ein Kundeninformations-System, in dem Projekte und Projektvorhaben multinationaler Kunden und potenzieller Kunden verwaltet werden. Vergleichbar mit der Skill-Verwaltung werden die Geschäftsdaten sowohl in den einzelnen nationalen Datenbanken als auch in der zentral geführten internationalen Datenbank vorgehalten. In den Systemen der Länderorganisationen werden alle Kunden und Business Opportunities mit Projektdaten, Auftragsvolumen, Verhandlungsstand etc. erfasst und permanent aktualisiert. Verantwortlich für die regelmäßige Pflege zeichnen die Vertriebsmitarbeiter und die Manager der einzelnen Länderorganisationen. Ein automatischer Abgleich mit der internationalen Datenbank erfolgt jede Nacht: Die länderübergreifend aktualisierte Version wird noch in der gleichen Nacht auf die angeschlossenen Notes-Server verteilt, so dass alle Vertriebsmitarbeiter – unabhängig vom Standort – auf aktuelle Informationen, die für die eigene Akquisition relevant sind, Zugriff haben.

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Zugriff in vier Sprachen

Alle nationalen und internationalen Datenbanken des Wissensmanagement-Systems sind untereinander über ein Extranet verbunden. Damit der Austausch zwischen den Ländern problemlos möglich ist, hat sich die Thales-IS-Gruppe auf eine einheitliche Technologie auf der Basis von Lotus Notes geeinigt. Eine Übersetzungsdatenbank, die mit Hilfe des Notes-Werkzeugs Domino Global Designer erstellt wurde, ermöglicht den Zugriff in den vier Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch und Spanisch. Die Eingabe und Abfrage von Daten erfolgt sowohl über Web-Browser als auch über Notes-Clients. Gesteuert wird der Zugriff über ein horizontales Berechtigungssystem, welches die Autorisierung nach zugeordneten Funktionen beinhaltet, und zusätzlich über ein vertikales Konzept, durch welches Lese- und Autorenrechte auf Abteilungsebene vergeben werden. Ergänzungen der Stammdaten wie z.B. neue Skills, Zertifizierungen oder auch das Anlegen neuer Mitarbeiter werden zentral von einer Hotline eingepflegt.

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Motivation ist eine Frage des Nutzens

Die Probleme, die sich bei der Einführung eines internationalen Wissensmanagement-Systems ergeben, unterscheiden sich von denen auf nationaler Basis nur geringfügig: Fehlende Akzeptanz bzw. mangelnde Motivation sind im allgemeinen die wesentlichen Hürden, die zu nehmen sind. Bei der deutschen Thales IS hat es sich bewährt, dass bereits in der Konzeptionsphase Berater, Geschäftsstellenleiter und Vertriebsmitarbeiter mit einbezogen wurden. Genauso wichtig waren die gut vorbereiteten Schulungsmaßnahmen und die intensive Betreuung in den ersten Monaten nach Einführung des Wissensmanagement-Systems. Die Motivation hängt vorrangig davon ab, ob für den Mitarbeiter der persönliche oder arbeitstechnische Nutzen erkennbar ist. Da der Projekteinsatz der Berater aber fast ausschließlich anhand der Einträge in der Skill-Verwaltung und anhand der Mitarbeit in den Communities erfolgt, ergibt sich daraus automatisch ein persönlicher Ansporn. Mehr Überzeugungsarbeit ist zu leisten, um die Mitarbeiter für eine aktive Mitgestaltung des Wissensmanagement-Systems im strategischen Bereich zu gewinnen, d.h. im Aufbau von Wissen, welches zukünftig benötigt wird. Grund hierfür ist, dass durch die Dynamik des Marktumfeldes das Unternehmen immer stärker situativ reagieren muss und daher einmal definierte Wissensziele revidiert werden müssen. Auf Belohnungssysteme wurde in der Thales IS generell verzichtet. Stattdessen wird mit monatlichen Statistiken, die dokumentieren, wie gut die Geschäftsstellen ihre Daten pflegen, der Wettbewerbsgedanke untereinander gefördert. Insgesamt hat Thales IS die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter die Ziele, die mit dem Wissensmanagement-System erreicht werden sollen, unterstützen und eine hohe Bereitschaft zeigen, ihr Wissen einzubringen.


Komplexität der Märkte erfordert hohe Flexibilität

Bei der Einführung von Wissensmanagement-Systemen auf internationaler Basis kommen allerdings zusätzliche Aspekte hinzu. Denn Wissensmanagement reagiert hier nicht nur auf eine zunehmende Wissensintensivierung der Arbeit, sondern auch auf eine zunehmende Komplexität des Marktgeschehens, der nur durch eine hohe Flexibilität begegnet werden kann. Ist die notwendige Flexibilität auf nationaler Ebene bereits beträchtlich, so wird diese auf der internationalen Ebene um ein vielfaches übertroffen. Ein verstärktes Augenmerk ist deshalb darauf zu richten, dass die Anpassungen des Unternehmens an Marktentwicklungen gleichermaßen im internationalen Wissensmanagement-System fortgeschrieben werden. Auch wenn die Realisierung eines internationalen Wissensmanagements einen langen Atem erfordert, um alle Länder auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, lohnt sich die Einführung, da die geschaffene Transparenz wertvolles Wissenspotenzial freisetzt.

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