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Start : Online Magazin : Archiv : 2002 : Ausgabe August/September : Moderne Retrieval-Software

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Moderne Retrieval-Software hilft beim Kampf gegen Kinderpornografie im Internet

Von Wolfgang P. Ruth

Mit dem Internet verhält es sich ähnlich wie mit vielen anderen technischen Entwicklungen: Genau die Eigenschaften, die dem Internet zu seinem Siegeszug verhalfen, verschafften auch seiner dunklen Seite einen lebhaften Aufschwung. Kinderpornografie erlangt online völlig neue Dimensionen, denn die Geschwindigkeit, mit der solche Bilder über Ländergrenzen hinweg verbreitet werden, macht es enorm schwer, die Täter aufzuspüren.

Doch die schwedische Kriminalpolizei beschreitet jetzt neue Wege im Kampf gegen die Kinderpornografie im Internet und setzt eine innovative Suchlösung ein, die auf RetrievalWare von Convera, einem intelligenten Such- und Recherche-Werkzeug für Multimediadateien, basiert. Mit Hilfe der ausgeklügelten Suchtechnologie ist die schwedische Polizei nunmehr in der Lage, die Bilder mit einer Datenbank zu vergleichen, die aus mehr als 300.000 Bildern besteht und aus allen Teilen der Welt zusammengetragen wurde.

"Wir wissen nicht, wie viele Täter wir durch den Einsatz dieser Technologie identifizieren konnten oder wie viele Straftaten dadurch verhindert wurden", gibt Annethe Ahlenius, Kriminalinspektorin bei der Kinderschutzeinheit zu. "Doch wenn es uns gelungen ist, auch nur ein Kind zu schützen oder einen einzigen Pädophilen zu überführen, dann hat sich die Sache bereits gelohnt."

Mit diesem Vorhaben beantragte die schwedische Kriminalpolizei im November 1997 Gelder aus dem Kinderschutzprogramm der Europäischen Union. Diese Mittel wurden eingesetzt, um eine europaweite Bilddatenbank anzulegen. Die in diese Bibliothek aufgenommenen Bilder stammten von Polizeibehörden aus 12 verschiedenen Ländern der ganzen Welt. Das Ziel bestand darin, alle neuen Bilder mit der Datenbank abzugleichen. Auf diese Weise ließ sich herausfinden, ob die Bilder tatsächlich neu waren, um neue Ermittlungen einleiten zu können. Doppelt vorhandene Bilder konnten so aussortiert werden.

Die ersten Ergebnisse waren beeindruckend, doch die Beamten wurden geradezu überschwemmt, als die Bibliothek auf nahezu eine halbe Million Bilder angewachsen war. Jedes einzelne Bild manuell mit dem Archiv abzugleichen wäre ohne ein automatisiertes Suchwerkzeug nicht mehr möglich gewesen. "Das Problem der manuellen Suche besteht vor allem darin, dass man sich dabei auf das menschliche Gedächtnis verlassen muss", so Annethe Ahlenius. "Doch was geschieht, wenn der Beamte etwas übersieht oder gar die Dienststelle verlässt? Alles was er herausgefunden hat, geht damit für uns verloren."

Die schwedische Polizei testete mehrere Produkte, bevor sie sich für RetrievalWare von Convera entschied. Im Gegensatz zu vielen anderen Suchprodukten war RetrievalWare in der Lage, nach Text-, Bild- und sogar Videoinhalten zu suchen. Letztere werden zu Suchzwecken in digitale Standbilder umgewandelt. "Als problematisch stellte sich bei einigen anderen Produkten heraus, dass dabei Schlüsselworte benötigt werden. Diese funktionieren jedoch nur, wenn jeder Beamte ein Bild auf die gleiche Weise beschreibt", erläutert Frau Ahlenius. "Dies stellt ein großes Hindernis dar, vor allem dann, wenn es um Polizeibehörden geht, die verschiedene Sprachen sprechen."

Andere Systeme arbeiten mit einer Gesichtserkennungssoftware. Diese Technologie ist jedoch noch recht unausgereift und unzuverlässig. "Die Gesichtserkennungssysteme waren nicht exakt genug und häufig sind auf den Bildern gar keine Gesichter erkennbar", erklärt Ahlenius. "Das RetrievalWare-System arbeitet im Gegensatz dazu äußerst präzise, da hierbei Formen, Farben und Muster viel allgemeiner analysiert werden."

Wenn heute neue Bilder bei der Kinderschutzeinheit eingehen, werden sie in das Windows-NT-Archiv gescannt und können anschließend mit Hilfe der Datenbank auf Ähnlichkeiten abgeglichen werden. Die lernfähige Mustererkennungstechnologie von RetrievalWare beschränkt sich bei der Suche nicht auf Schlüsselworte oder Gesichter, sondern die Beamten können damit nach Mustern von Hintergrundgegenständen, Formen oder Farben suchen. So lassen sich zum Beispiel mit Hilfe der Software Bilder ermitteln, auf denen das gleiche Tapetenmuster, der gleiche Bettpfosten oder die gleiche Zimmereinrichtung zu sehen ist. Dadurch erkennt die Polizei, dass an diesem Ort wiederholt Straftaten begangen werden. Aus einer Verbindung dieser Bilder lassen sich möglicherweise wertvolle Hinweise auf die Identität des Täters gewinnen.

"Der wichtigste Nutzen, den wir aus RetrievalWare ziehen konnten, bestand weniger im Aufspüren von Pädophilen. Wir können keine konkrete Zahl festgenommener Personen nennen", meint Annethe Ahlenius. "Wir haben jedoch erreicht, dass die Polizeibeamten mehr Zeit für Ermittlungen haben und weniger mit der Katalogisierung und Sichtung von Dateien beschäftigt sind. Da sich Polizeibeamte permanent im Wettlauf mit der Zeit befinden, hat sich RetrievalWare in dieser Hinsicht als eine sehr gute Investition erwiesen."

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