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Was heißt Management?Häufig vergleicht man den Manager mit einem Steuermann. "Kybernetes" ist das altgriechische Wort für Steuermann und so ist es wohl kein Zufall, dass die gängige Vorstellung von Management einem kybernetischen Regelkreismodell gleicht: Man versucht, einen bestimmten Sollzustand zu erreichen oder aufrecht zu erhalten und ablaufende Vorgänge zu berechnen. Ein solches Denken in Berechnungsformeln (algorithmisches Modell) ist in Bezug auf Management weder vollkommen irreführend noch befriedigend. Wenn es um die in weitestem Sinne technische Seite der Organisation (z.B. Infrastrukturen oder Geschäftsmodelle) geht, ist ein algorithmisches Denken durchaus funktional: Management im Sinne von Organisationsführung gehorcht in weiten Teilen den Gesetzen berechenbarer technischer Systeme. Wenn es aber um die menschliche Seite der Organisation geht, stößt man mit diesem Denkmodell an Grenzen: Management im Sinne von Mitarbeiterführung gehorcht den Gesetzen biologischer und ökologischer Systeme, deren Verhalten zwar determiniert, aber nicht vorhersehbar, sondern mit Unsicherheit behaftet ist. Hier kommt man eher mit einem Denken in Faustregeln (heuristisches Modell) weiter. Beim Wissensmanagement hat man es mit beiden Systemarten zu tun. Naheliegend ist daher ein integratives Verständnis von Management [2], in dem das algorithmische und heuristische Denkmodell miteinander kombiniert werden: Management als Gestaltung evolutionsähnlicher Prozesse, als Balanceakt zwischen Moderieren und Kontrollieren, zwischen Metasteuerung und direkter Regelung. Lernen als LeitideeDie Entwicklung hin zu einer lernenden Organisation ist im Münchener Modell die Zielrichtung des Wissensmanagements. Notwendige Bedingungen für das Lernen einer Organisation sind die Lernbereitschaft und die Lernfähigkeit der beteiligten Individuen, die den "Ort des Wandels" [3] bilden, denn: Individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten sind immer auch die Grundvoraussetzung für Veränderungen in der Organisation. Daneben sind das Bewusstsein der Organisationsmitglieder und deren Sensibilität für neue Anforderungen weitere Treiber des Wandels. Die Basis für kulturelle Veränderungen sind letztlich neue Haltungen und Überzeugungen, also das, was Organisationsmitglieder wollen und glauben. Einen solchen individuellen Lernzyklus in Gang zu setzen, ist jedoch alles andere als leicht, denn Menschen sind bekanntlich sehr veränderungsresistent. Und so ist es sinnvoll, die Organisation als "Ort des Handelns" in die Pflicht zu nehmen und schrittweise einen organisationalen Lernzyklus anzustoßen. Am Anfang steht meist eine Leitidee. Zur Realisierung einer Leitidee sind Konzepte und Methoden erforderlich; deren Wirkung aber kommt oft erst durch neue Organisationsstrukturen zur Entfaltung. Eine lernende Organisation kann dann entstehen, wenn der individuelle und organisationale Lernzyklus miteinander verbunden werden. Diese Verbindung ist im Münchener Modells ein zentrales Element.
Vier Phänomenbereiche im Umgang mit WissenDas Herz des Münchener Modells bilden vier Phänomenbereiche, die verschiedene Wissensprozesse bündeln:
Diese Phänomenbereiche implizieren neben organisationalen und technischen Aspekten auch psychologische Voraussetzungen und pädagogische Begleitprozesse, die häufig vernachlässigt werden [4].
Prozesse der Wissensrepräsentation machen Wissen sichtbar, zugänglich, transportierbar und besser begreifbar. Oder um im Bild der Wasser-Analogie zu sprechen: Repräsentationsprozesse zielen darauf ab, Wissen einzufrieren, für bestimmte Zeit zu konservieren und zum Auftauen bereit zu halten.
Somit ist Wissensrepräsentation mit einer Bewegung verbunden, in der Wissen in Richtung Information geht. Damit es zu Prozessen der Wissensrepräsentation kommen kann, müssen Menschen bereit sein, ihr Wissen nach außen zu geben. Das aber kann mit Ängsten vor Macht- und Kompetenzverlust oder Austauschbarkeit verbunden sein. Zur Bereitschaft, das eigene Wissen offen zu legen, muss die Fähigkeit kommen, Wissen explizit zu machen. Dazu gehören Kenntnisse über das eigene Wissen (Metawissen) sowie z.B. Verbalisierungs- und Visualisierungsfähigkeiten. Wissensnutzung Prozesse der Wissensnutzung machen Wissen anwendbar und lassen dem Wissen Entscheiden und Handeln folgen. Oder um im Bild der Wasser-Analogie zu bleiben: Nutzungsprozesse zielen darauf ab, Wissen aufsteigen zu lassen, Energien zu erzeugen und an geeigneten Stellen wieder zum Kondensieren zu bringen.
Somit ist Wissensnutzung mit einer Bewegung verbunden, in der Wissen in Richtung Handeln geht. Damit es zu Prozessen der Wissensnutzung kommen kann, müssen Menschen die potenzielle Trägheit des Wissens überwinden können und wollen. Notwendig für die Wissensnutzung sind Motivation zum Handeln, die Überwindung eingeschliffener Routinen sowie das Wahrnehmen und Ausschöpfen von Handlungsspielräumen. Wissenskommunikation Prozesse der Wissenskommunikation führen dazu, dass Wissen ausgetauscht, geteilt, vernetzt und in Bewegung gebracht wird. Wenn man wieder die Wasser-Analogie beanspruchen will, kommt man zu dem Schluss, dass Kommunikationsprozesse Wissen zum Fließen bringen und dafür sorgen, dass sich dieser Fluss ungehindert fortbewegen und ausbreiten kann.
Somit ist Wissenskommunikation Wissensbewegung pur, die in jedem Wissenszustand möglich ist. Damit es zu Prozessen einer lebendigen Wissenskommunikation kommt, müssen Menschen das Gefühl haben, dass dieser Austausch mit gegenseitigem Geben und Nehmen und persönlichem Nutzen verbunden ist. Vertrauen, Sympathie und soziale Fähigkeiten sind hier ebenso wichtig wie Motivation und Anreizsysteme zum gegenseitigen Austausch. Wissensgenerierung Prozesse der Wissensgenerierung bewirken die Verarbeitung vom Rohstoff Information zu handlungsrelevantem Wissen und die Entwicklung neuer Ideen. Unter Rückgriff auf die Wasser-Analogie hieße das: Generierungsprozesse sorgen dafür, dass dem fließenden Wasser seine Quelle erhalten bleibt, dass der Fluss nicht versiegt.
Somit ist Wissensgenerierung die Basis jeder Wissensbewegung, die den Stoff hervorbringt, der bewegt werden soll. Die Generierung neuen Wissens ist nur möglich, weil Menschen in der Lage sind, aus Erfahrung zu lernen und weil sie von ihrem Wesen her neugierig sind. Kreativität, Denken, Lernen und Problemlösen, aber auch Selbst- und Fremdbild haben einen oft unterschätzen Einfluss auf die Wissensgenerierung. Wissensprozesse der genannten Art lassen sich nicht erzwingen, aber in der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens durch Managementprozesse, also durch das Gestalten von Rahmenbedingungen sowie das Fördern der beteiligten Menschen optimieren [5]. Technische, organisationale wie auch pädagogisch-psychologische Maßnahmen müssen dabei der Leitidee folgen, Lernprozesse zu unterstützen, und gleichzeitig diejenigen Probleme angehen, die im konkreten Fall vorliegen und einen professionelleren Umgang mit Wissen erforderlich machen. Ein Wissensmanager wäre allerdings schlecht beraten, würde er bei seinen Aktionen den Kollegen aus den Bereichen Personal und Technik aus dem Weg gehen: Erst eine enge Kooperation zwischen Wissens-, Informations- und Kompetenzmanagement kann dem hier skizzierten Verständnis von Wissen und Management gerecht werden und die skizzierten Wissensprozesse erfolgreich initiieren und gestalten. Wundern Sie sich nicht, wenn die gleichen Mitarbeiter, mit denen Sie eben noch um gemeinsame Bedeutungen beim Wissensmanagement gerungen haben, in drei Jahren von Lernmanagement sprechen. Wenn Sie als Wissensmanager mit dem Münchener Modell gearbeitet, dabei Informatiker, Personaler und Strategen an einen Tisch gebracht und das erklärte Ziel des Wissensmanagements ernst genommen haben, dürfen Sie vielleicht sogar den unspektakulären Begriff des Lernens bald wieder selbstbewusst in den Mund nehmen. SeitenblickMöchten Sie mehr über das Münchener Modell wissen? Einen ausführlichen, sehr lesenswerten Hintergrund-Beitrag der Autorin haben wir hier als PDF-Datei (363 kB) für Sie bereit gestellt.
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