Eine Quelle für alle Formate und Sprachen
Von Martin
Holzmann
Inhaltsübersicht:
Cross-Media-Publishing
oder auch Single-Source-Publishing sind Schlagworte, die in der
technischen Dokumentation in letzter Zeit immer öfter zu hören
sind. Dieser Beitrag zeigt ein Beispiel-Projekt, bei dem diese Schlagworte
mit Leben gefüllt wurden: die TC-Toolbox von Ovidius für
Schneider Automation, eine SGML/XML-basierte Lösung.
Dieses Projekt
geht sogar noch einen Schritt weiter: Es integriert die Arbeitsschritte
Erstellen Übersetzen Publizieren in verschiedenen
Medien in einer Anwendung, so dass nahezu alle Aufgaben einer Dokumentationsabteilung
in einer Prozesskette zusammengefasst sind.
Unser
Projekt: die TC-Toolbox
Das Projekt
TC-Toolbox (TC = Technical Communications) wurde von Schneider Automation
mit dem Ziel gestartet, die Dokumentationserstellung zu rationalisieren
und dabei den besonderen Anforderungen dieses Unternehmens gerecht
zu werden.
Schneider Automation
ist einer der international führenden Hersteller automatisierungstechnischer
Produkte, mit Entwicklungs- und Fertigungsstandorten in Frankreich,
den USA und Deutschland. Produktentwicklungen finden standortübergreifend
statt; die technische Dokumentation muss sich diesen Randbedingungen
anpassen und ebenfalls verteilt arbeiten.
Einige Besonderheiten
des Unternehmens beeinflussen die Dokumentationserstellung zusätzlich:
- Die technische
Dokumentation wird immer am Entwicklungsstandort erstellt. Entwicklungsprojekte
sind über die Standorte hinweg verteilt, so dass Autoren
aus drei Ländern mit der Erstellung der Dokumentation für
ein Produkt beschäftigt sind. Jeder dieser Autoren arbeitet
in seiner Muttersprache, so dass sogar zum gegenseitigen Korrekturlesen
eine Übersetzung erforderlich ist. Dies bedingt aber auch,
dass es zwischen den Autoren sehr genaue Absprachen und Regeln
geben muss, wie die Dokumentation zu strukturieren ist, bis hin
zum eigentlichen Schreibstil. Der Kunde soll nicht erkennen, dass
es sich um das Werk von vielen Autoren handelt.
- Automatisierungstechnische
Produkte bestehen aus Hard- und Software; erst die Gesamtheit
ergibt das Produkt. Neben der herkömmlichen Papier-Dokumentation
muss die Dokumentation als Windows-Hilfe zur Verfügung stehen,
auch die Hardware-Dokumentation.
- Dokumentation
im Bereich der Automatisierungstechnik ist ein äußerst
langlebiges Gut, genauso wie die Produkte selbst. Schneider Automation
gewährt viele Jahre lang Liefergarantien für Produkte
und Ersatzteile, weit über den eigentlichen Vermarktungszeitraum
hinaus. Hiervon ist natürlich auch die Dokumentation betroffen.
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Eine
neue Herangehensweise an die Dokumentationserstellung
und Übersetzung: eine einzige Quelle bei voller
Unterstützung der Stärken und Besonderheiten
der Zielformate
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Seitenanfang
Ziele des Projektes und die Schlüsselelemente
zu deren Erreichung
Die Dokumentation
muss in verschiedenen Formaten zur Verfügung gestellt werden:
- in der gewohnten
Buchform
- im HTML-Format
- als Windows
Help und
- als HTML
Help, dem Nachfolgeformat von Windows Help
All diese Formate
sollen aus einem einzigen Quellformat generiert werden. Eine Mehrfacherstellung
ist nicht praktikabel, da hierzu einerseits nicht die notwendigen
Kapazitäten an Autoren vorhanden sind und andererseits Inkonsistenzen
zwischen den verschiedenen Formaten zwangsläufig die Folge
wären. Das Schlüsselelement hierfür ist SGML/XML.
Die meisten
Standard-Publishing-Tools sind auf den einzelnen Autor zugeschnitten
und unterstützen die Zusammenarbeit in einer Gruppe nur bedingt.
Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ist bei diesen
Tools nur durch den Austausch von Dateien möglich. Dass diese
Dateien auch noch übersetzt werden müssen, bevor ein Autor
an einem anderen Standort überhaupt in der Lage ist, sie zu
verstehen, kommt noch erschwerend hinzu. Die Schlüsselelemente
hierfür sind der Einsatz eines Dokumentenmanagement-Systems
(DMS) und die Integration des Übersetzungsprozesses mit Hilfe
von Translation Memories (TM).
Die unterschiedlichen
Formate kennen unterschiedliche Methoden für Querverweise oder
Hyperlinks. In einem Buch findet man z.B. einen Verweis wie siehe
Kapitel 5.3, Seite 128, während man in einem der Online-Formate
nur ein unterstrichenes Wort findet, das bei Anwahl direkt zu der
gewünschten Textstelle führt.
Aber auch innerhalb
der Online-Formate gibt es unterschiedliche Arten von Hyperlinks:
HTML kennt z.B. nur den 1-auf-1-Link, ein unterstrichener Text führt
also immer genau zu einem anderen Topic. Dagegen unterscheidet Windows
Help zwischen Sprung und Popup (der Originaltopic bleibt angezeigt)
und kennt zusätzlich noch den 1-auf-n-Link (ein Absprungpunkt
liefert eine Auswahlliste von mehreren Zielen).
Ziel ist es,
dass im Quelldokument ein Hyperlink nur ein einziges Mal gesetzt
werden muss und dann jeweils passend umgewandelt wird. Auch muss
die Integrität der Hyperlinks zwischen einzelnen Dokumenten
gewährleistet sein. Wird z.B. ein Dokument gelöscht, auf
das ein Hyperlink aus einem anderen Dokument besteht, muss eine
passende Reaktion erfolgen. Das Schlüsselelement hierfür
ist ein Dokumentenmanagement-System, das nicht nur Informationen
über Dokumente verwaltet, sondern bis zu einem gewissen Grad
auch deren Inhalt.
Jeder, der
schon länger mit Dokumentationserstellung zu tun hat, kennt
das Problem: Ein Handbuch, das vor einigen Jahren geschrieben wurde,
soll überarbeitet werden. Nicht selten existieren die Programme,
mit denen das Dokument ursprünglich erstellt wurde, nicht mehr.
Mit etwas Glück lassen sich solche Dokumente dann in einem
anderen Programm öffnen; in den meisten Fällen werden
sie allerdings erheblich nachformatiert werden müssen. Doch
auch der völlige Verlust der Daten ist möglich. Ein Ziel
der TC-Toolbox ist, eben solche Risiken zu minimieren. Das Schlüsselelement
hierfür ist SGML/XML.
Insbesondere
die Online-Formate unterliegen einer ständigen Veränderung
oder werden zum Teil ganz und gar ersetzt. Beispiele sind Windows
Help und HTML Help oder der aufkommende Standard XML, der HTML ergänzen
wird. Es sollte möglich sein, einmal erstellte Dokumente in
neuen Formaten zu präsentieren, ohne diese zu überarbeiten.
Das Schlüsselelement hierfür ist SGML/XML.
Langjährige
Autoren verfügen über ein großes Maß an Erfahrung
im Umgang mit Textverarbeitungs- und DTP-Systemen. Sie haben gelernt,
mit diesen Systemen effizient zu arbeiten. Es ist nicht zumutbar
und verringert die Produktivität erheblich, wenn sich die Benutzung
eines Tools eher an Programmierern orientiert als an der gewohnten
Arbeitsumgebung; es sollte leicht handhabbar sein. Das Schlüsselelement
hierfür ist Adobe FrameMaker+SGML.
Abschließend
ist noch ein Punkt zu berücksichtigen, der in manchem SGML/XML-Projekt
der technischen Dokumentation vernachlässigt wird: Unterschiedliche
Medien benötigen unterschiedliche logische Dokumentstrukturen,
um ergonomische Kriterien zu erfüllen. Um dies zu erreichen,
werden die Dokumente nicht von einem Format in ein anderes gefiltert,
sondern sie werden konvertiert und damit nicht nur formatmäßig
verändert, sondern auch strukturell angepasst.
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Schlüsselelement
SGML/XML
SGML (= Standard
Generalized Markup Language) ist ein in ISO 8879 festgelegter Standard,
der eine Sprache beschreibt, mit der man Dokumentstrukturen definieren
kann. Ein SGML-Dokument ist ein reiner ASCII-Text, in dem die einzelnen
Textteile durch spezielle Auszeichnungen (Tags) markiert sind und
der nach festen Regeln strukturiert ist. Diese Strukturregeln werden
in einer eigenen Definitionsdatei festgelegt, der Document Type
Definition (DTD). Das SGML-Dokument enthält keinerlei Hinweise
auf seine optische Aufbereitung, ist also frei von Formatinformationen.
XML ist eine
Untermenge von SGML, definiert durch das W3C
Consortium, die für die Anwendung im Internet optimiert
ist und Balast aus SGML beseitigt. Es ist sowohl als Quellformat
als auch als zukünftiges Zielformat (im Web) nutzbar.
SGML/XML überführt
geschriebene Informationen in Daten. Ein normaler Text in einem
DTP-System ist eben nichts anderes als Text, der hier und da durch
Formatinformationen optisch strukturiert wird. Will der Autor diese
Formatierung ändern, so muss er dies von Hand durchführen.
Oftmals finden
sich in solchen Texten allerdings auch noch Daten, die entweder
aus einem anderen System übernommen oder aber in einem anderen
Dokument wiederverwendet werden könnten. Die technischen Daten
eines Produktes etwa könnten sowohl in einem Handbuch als auch
in einem Katalog identisch sein. Da es in einer normalen Textverarbeitung
allerdings nicht möglich ist zu erkennen, welcher Textausschnitt
denn nun die technischen Daten sind, müssen diese für
jede Anwendung wieder erfasst werden.
Mit SGML/XML
wird dieses Problem gelöst: Jeder Text wird durch einen Tag
identifiziert. Der Tag könnte in unserem Beispiel <Technische
Daten> .... </Technische Daten> lauten. Jetzt ist auch
innerhalb eines umfangreichen Dokuments zu erkennen, welcher Bereich
die technischen Daten beschreibt.
Wie weit man
bei der Aufspaltung in identifizierbare Textobjekte geht, hängt
von der Anwendung ab, die man damit realisieren will. Diese Aufspaltung
wird in der Document Type Definition festgehalten. Hier werden nicht
nur alle Elemente definiert, die es in einem Dokument geben darf,
das nach dieser DTD geschrieben worden ist, sondern es wird darüber
hinaus die Reihenfolge definiert, in der diese Elemente auftauchen
dürfen.
Aufgrund dieser
Eigenschaften lassen sich SGML/XML-Dokumente mit Hilfe von darauf
zugeschnittenen Programmen
- wie eine
Datenbank abfragen
- beliebig
umstrukturieren und
- problemlos
und verlustfrei in andere Formate konvertieren
Als Standard
sind SGML und XML zudem herstellerunabhängig. Im Markt gibt
es die verschiedensten Tools, mit denen SGML Dokumente erstellt,
manipuliert und publiziert werden können. Diese Tools können
beliebig miteinander kombiniert werden, da alles, was diese Tools
über ein Dokument wissen müssen, in der DTD enthalten
ist. Die Dokumentbasis ist also optimal geschützt.
SGML/XML-Dokumente
können vom Autor nur nach der in der DTD vorgegebenen Strukturregel
erstellt werden. Abweichungen von dieser Struktur lassen SGML/XML-Editoren
nicht zu (oder nur temporär in der Erstellungsphase). Autoren,
die an einem Projekt an verschiedenen Standorten arbeiten, erstellen
somit Dokumente, die zumindest strukturell zueinander passen. Dies
bedeutet nicht, dass die Dokumente auch inhaltlich zueinander passen,
hilft jedoch schon ein gutes Stück weiter. Es ersetzt allerdings
nicht die intensive Zusammenarbeit von Autoren auch über Ländergrenzen
hinweg.
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Schlüsselelement
Dokumentenmanagement-System (DMS)
Ein Ziel des
Projektes war es, Dokumente in vielen unterschiedlichen Publikationen
wiederverwenden zu können. Deshalb wurden die Dokumentationen
in viele kleine SGML/XML-Dokumente zerlegt, die dann modular wieder
zu einer Publikation zusammengefügt werden können. Dies
erhöht allerdings die Anzahl der Dokumente erheblich. Ohne
entsprechende Unterstützung geht der Überblick schnell
verloren.
Die verteilte
Arbeitsweise von Schneider Automation macht es zusätzlich erforderlich,
dass Dokumente den Autoren aller Standorte zur Verfügung stehen.
Auch hierfür ist ein DMS zwingend notwendig.
Das Dokumentenmanagement-System
muss die folgenden Funktionen abdecken:
- Zugriff
der Autoren zu den Dokumenten verwalten: Es muss sichergestellt
sein, dass nicht mehrere Autoren gleichzeitig an einem Dokument
arbeiten. Die Autoren müssen außerdem erkennen können,
wer ein Dokument erstellt hat, Informationen über die Gültigkeit
eines Dokuments erhalten etc.
- Versionen
der Dokumente verwalten: Dokumente werden oftmals mehrfach überarbeitet,
weil sich das Produkt ändert, das sie beschreiben. Die alten
Versionen sind deswegen nicht ungültig, sie beschreiben nur
eine andere Version des Produktes und müssen gegebenenfalls
auch wieder publiziert werden können.
- Translation
Memories dokumentbezogen verwalten: Verwaltung und Pflege der
Translation Memories (TM) sind ohne die Einbindung in ein DMS
mit erheblichem Aufwand verbunden. Werden Dokumente übersetzt,
muss die automatische Vorübersetzung anhand der dazu passenden
TM erfolgen. Nicht jede Übersetzung kann als Grundlage der
Übersetzung eines beliebigen anderen Dokuments dienen; sie
muss vielmehr entsprechend dem Themengebiet zugewiesen werden.
Dies kann mit Hilfe des DMS automatisch erfolgen.
- Konsistenz
der Querverweise zwischen Dokumenten sicherstellen: Querverweise
setzen die Autoren zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Publikation
noch nicht fertiggestellt ist. Im Laufe der Erstellung können
Dokumente, auf die Querverweise existieren, verändert oder
gar gelöscht werden. Hier muss das DMS entsprechende Unterstützung
bieten, die den Autor z.B. beim Löschen davor warnt, dass
er nun ein Querverweisziel entfernt hat und nun auch noch ein
anderes Dokument überarbeiten muss nämlich das,
von dem der Verweis ausging. Diese Funktion bedingt, dass das
DMS nicht nur Informationen über ein Dokument hat, sondern
auch den Inhalt eines Dokuments teilweise interpretieren kann.
- Zusammenstellung
der Endprodukte unterstützen: Die einzelnen Module, aus denen
sich eine Publikation zusammensetzt, müssen in einer Art
Stückliste hierarchisch zusammengestellt werden. Diesen Vorgang
muss das DMS unterstützen. In der Stückliste muss enthalten
sein:
-die Dokument-ID
-die Dokumentversion
-die Dokumentsprache
Anhand dieser Stückliste kann die Publikation zu jedem Zeitpunkt
wiederhergestellt werden.
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Schlüsselelement
Translation Memories (TM)
Im Bereich
der technischen Dokumentation stellt nicht die komplette Neuübersetzung
eines Dokuments den Normalfall dar, sondern das Nachübersetzen
von Ergänzungen und Korrekturen an einem bestehenden Dokument.
Hier wird beim herkömmlichen Übersetzungsprozess viel
Arbeit darauf verwendet, dass der Autor alle Änderungen in
einem Dokument markiert und dem Übersetzer somit mitteilt,
was er zu bearbeiten hat. Der Übersetzer muss dann mit dem
gleichen Programm wie der Autor die fremdsprachigen Dokumente bearbeiten
und neu formatieren. Die meisten dieser Schritte werden durch Translation
Memories überflüssig.
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Der
Übersetzungsprozess mit Translation Memories
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Der
erste Schritt bei der Übersetzung mit einem TM-System ist,
dass die Textinformation von der Format- und Grafikinformation
getrennt wird. Der Übersetzer erhält nur einen Text;
Formatierungsarbeiten und die Notwendigkeit, das gleiche Programm
wie der Autor zu benutzen, entfallen. Ist der Text übersetzt,
wird die Formatinformation wieder zum Text hinzugefügt. Ein
fertig formatiertes Dokument ist das Resultat.
Handelt es
sich nun um eine Nachübersetzung, wird der neue Text mit allen
bereits übersetzten Texten verglichen und jene Teile, die schon
übersetzt vorliegen, werden automatisch wieder in die Datei
eingebunden. Der Übersetzer erhält so ein gemischtsprachliches
Dokument und muss nur noch den tatsächlich neuen Anteil übersetzen.
Der Rest geht wie zuvor: Die Formatinformation wird hinzugefügt,
und das Dokument ist fertig.
Zusätzlich
stellt ein TM-System in der Regel eine ausgereifte Terminologiedatenbank
zur Verfügung und hilft somit, die Qualität der Übersetzung
zu verbessern.
Der Einsatz
eines TM-Systems bietet die folgenden Vorteile:
- Es spart
Kosten, da Doppelübersetzungen entfallen.
- Es verringert
den Vorbereitungsaufwand für den Autor: Die Differenzen zwischen
zwei Versionen sucht das TM-System selbst heraus.
- Es erhöht
die Konsistenz der Übersetzung, da gleiche Texte immer gleich
übersetzt werden.
- Die Terminologieunterstützung
erhöht die Konsistenz der benutzten Termini und verringert
ebenfalls die Kosten der Übersetzung, da die Terminologie
automatisch in den Text übernommen werden kann.
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Schlüsselelement Adobe FrameMaker+SGML
FrameMaker+SGML
ist die Kombination einer Desktop-Publishing-Software mit einem
SGML/XML-Editor. FrameMaker bietet ausgezeichnete Layout- und Gestaltungsmöglichkeiten;
die Unterstützung von SGML/XML ermöglicht es, Dokumente
strukturiert zu erstellen, d.h. dem Autor eine klare Führung
beim Editieren zu geben. Mit Hilfe der Struktur die in Form
eines Baumes dargestellt wird, wie er vom Windows Explorer her bekannt
ist ist es dem Autor möglich, sehr schnell und effektiv
Strukturänderungen am Dokument vorzunehmen.
Die Umstellung
auf eine vollständig strukturierte Editierumgebung ist eine
starke Veränderung in der Arbeitsweise von Autoren. Reine SGML/XML-Editoren
unterscheiden sich von dem, was ein Autor als Editierumgebung gewohnt
ist, erheblich. Die Kombination von DTP und SGML/XML-Editor beseitigt
diese Anfangshürde nahezu vollständig.
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Der
Clou: die Konvertierung
Viele unterschiedliche
Tools (von Microsoft Word bis hin zu Doc-To-Help) haben sich auf
die Fahnen geschrieben, aus einer Quelle auf Knopfdruck die unterschiedlichsten
Formate zu erzeugen. Diese Fähigkeit ist auch ohne Zweifel
vorhanden. Ob diese Formate allerdings tatsächlich medienspezifisch
aufbereitet werden, steht auf einem anderen Blatt. All diese Formatkonvertierungen
sind mehr oder weniger lineare Konvertierungen: Die Struktur des
Ausgangstextes wird ohne diese Struktur zu verändern
in ein anderes Dateiformat konvertiert. Wenn diese unterschiedlichen
Formate dann aber auch unterschiedliche Medien bedeuten, wird diese
Vorgehensweise problematisch.
Probleme mit
herkömmlichen Tools entstehen an zwei Stellen:
- bei der
Anpassung an verschiedene Medien: Ein Fall, der wohl in jeder
Dokumentation vorkommt, ist eine Abbildung mit einem dazugehörigen
Titel. Dieser Titel sollte nun aus ergonomischen Gründen
in einer Papier-Dokumentation als Bildunterschrift auftauchen.
In einer Online-Dokumentation sollte der Titel hingegen als Bildüberschrift
erscheinen, da hier nicht gewährleistet ist, dass der Leser
auf seinem Bildschirm Text und Bild gleichzeitig sieht. Dies ist
eine Veränderung der Struktur des Dokuments und durch einen
linearen Konverter nicht mehr zu erreichen. Das Ergebnis eines
herkömmlichen Tools ist also strukturell entweder ein Buch
am Bildschirm oder ein Online Dokument auf dem Papier.
- bei der
Übersetzung: Das Umsetzen in ein anderes Format geschieht
zwar auf Knopfdruck, für ein gutes Hilfe-System
beispielsweise ist jedoch noch eine ganze Menge Nacharbeit notwendig:
Soll das Dokument übersetzt werden, muss man sich entscheiden,
was die Quelle ist und übersetzt wird und was das Ziel ist
und damit nach der Übersetzung wieder aufbereitet werden
muss.
In einem SGML/XML-Dokument
lässt sich jedes Element eindeutig identifizieren. Um bei dem
Beispiel mit dem Bild und dem dazugehörigen Titel zu bleiben,
könnte dies in SGML/XML z.B. folgendermaßen aussehen:
- Es gibt
ein Element
Abbildung.
- Das Element
Abbildung besteht aus:
-Bild
-Titel
Die Reihenfolge
von Bild und Titel kann nun für das Editieren fest definiert
sein, z.B. zuerst das Bild und dann der Titel. Dies spielt jedoch
für die Ausgabe auf Papier oder als Online-Dokument keine Rolle.
Da die Elemente identifizierbar sind, können diese vor der
Konvertierung in das eigentliche Zielformat in jede gewünschte
Reihenfolge gebracht werden.
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Der
Clou: die Konvertierung
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Das
Ergebnis:
- Für
jedes Zielformat/Medium kann die optimale Struktur durch Konvertierung
der SGML/XML-Daten gewonnen werden.
- Veränderungen
im Zielformat (z.B. HTML wird erweitert) können durch
eine Veränderung der Konvertierung berücksichtigt
werden, ohne dass dies eine Änderung der Quelldatei bedingt.
Die Quelldaten sind tatsächlich optimal geschützt.
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Wie arbeiten die Schlüsselelemente zusammen?
Das
Zusammenspiel der einzelnenSchlüsselelemente gestaltet sich
wie folgt:
- Die
Dokumentation wird aus vielen kleinen SGML/XML-Dokumenten
aufgebaut. Diese werden mit FrameMaker+SGML erstellt.
- Die
Dokumente werden zentral im Datenpool gespeichert.
- Das
Dokumentenmanagement-System übernimmt die Verwaltung
aller Dokumente im Datenpool.
- Die
SGML/XML-Dokumente werden unter der Kontrolle des DMS dem
Translationsprozess übergeben.
- Die
übersetzten Dokumente werden wieder im Datenpool gespeichert.
- In einem
getrennten Prozessschritt werden die Ausgabeprodukte durch
Konvertierung aus den SGML/XML-Daten hergestellt.
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Wie
arbeitet alles zusammen?
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Fazit
Die
dargestellte Reorganisation des Dokumentationsprozesses mit der
TC-Toolbox führt zusammenfassend zu folgenden Vorteilen:
- Papier-,
HTML- und Hilfe-Dokumente sind konsistent.
- SGML/XML-Dokumente
können mehrfach in verschiedenen Publikationen verwendet
werden; hierdurch wird die Dokumentationserstellung beschleunigt.
- Die
Übersetzung ist zeitlich quasi parallel zur Originalsprache
verfügbar; internationale Märkte können schneller
bedient werden.
- Verteilte
Dokumentationserstellung ist tatsächlich möglich,
selbst über Ländergrenzen hinweg.
- Das
jeweilige Zielformat wird optimal unterstützt.
- Eine
Anpassung an neu aufkommende Standardformate ist problemlos
möglich ohne die Quelle zu ändern. Die Dokumentbasis
ist auf lange Zeit geschützt.
Einen
Nachteil gibt es allerdings auch: Die TC-Toolbox ist keine Standardlösung.
Sie ist vielmehr eine Applikation, die immer an die Anforderungen
des jeweiligen Unternehmens angepasst werden muss.
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen
haben aber gezeigt, dass sich die Aufwände bei Schneider
Automation nach ca. einem Jahr produktiven Einsatzes wieder amortisiert
haben. Weitere Projekte, die auf der gleichen Architektur ansetzen,
können in Zukunft preiswerter erstellt werden.
Fit
zu sein für den globalen Wettbewerb ist auch für die
technische Dokumentation eine Herausforderung, aber keine unlösbare
Aufgabe.
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